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gar ihm Gewalt anthat und nicht half, wo ich konnte. Ich that aber nichts in der rechten Abſicht und Meinung, nichts, um des Herrn willen, ſondern nur aus Furcht vor Strafe und um mir Verdienſte bei Gott zu ſammeln und um mit phariſäiſchem Wohlbehagen auf mich ſelbſt zu ſehen. So durfte es aber nicht ſein. Hört, wie die Gnade Gottes zu mir kam. Ich wurde als Prieſter gerufen, einem ſchrecklichen Miſſethäter, der wegen Mordes zu einem gerechten Tode verurtheilt war, in ſeiner letzten Stunde beizuſtehn. Er war tief niedergeſchlagen und hörte meine Ermahnungen demüthig und reuig an. Ich tröſtete und ermuthigte ihn, ſo gut ich konnte und ſprach ihm mit allen Gründen zu, die im Bereiche meiner Erkennt⸗ niß lagen und ſiehe, während ich ihm Muth und Glau⸗ ben, Vertrauen und Hoffnung einſprach, wurde mein eigener Glaube, mein Vertrauen und meine Hoffnung ge⸗ ſtärkt und gekräftigt; es entſprang wie ein neues Leben in meiner Seele, der ganze Reichthum von Gottes Gna⸗ denplan lag offen vor meinem Geiſte und ich ſah ihn ſo deutlich und klar, wie nie zuvor, und während ich dieſen Mann bekehrte, wandelte ſich zugleich mein eigenes Innere gänzlich um. Ich habe gewiß damals begeiſtert geſprochen, denn die Ueberzeugung, die ſtärker iſt als alle Weisheit, ließ meine Reden ſtrömen und meine Lippen ſprachen Worte, die überreden mußten.“
Der junge Deutſche, der auch die Wärme der Be⸗ geiſterung kannte, und gegen ſeinen Willen von der Auf⸗ regung des Sprechers hingeriſſen war, drückte die Hand auf's Herz und erhob die Augen mit frommem Lächeln zum Himmel, wie wenn er hätte ſagen wollen, daß er ihn wohl verſtehe, aber dieß nicht durch ein ſtörend Wort kund zu geben wage.
„Auch ging der Mann getroſt und ruhig der harten Strafe entgegen, welche die menſchliche Gerechtigkeit über ihn verhängt hatte, und ſtarb frohlich in der Hofſnung,
Das Haus Lauerneſſe. U. 2


