Teil eines Werkes 
4. bis. 7. Bändchen (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— ——

5

ner von Wittenberg im Allgemeinen darüber und was meint Ihr dazu?“ i

Und er ſchaute Paul ſtarr an, mit verhaltenem Athem mit bebenden Lippen, die Daumen in die Hand drückend, in der ganzen Haltung der großten Spannung und ängſi⸗ lichſten Erwartung.

Paul erwiederte ſchnell und ohne ſich zu bedenken:

„Ihr müßt heirathen. Es iſt uns geboten, uns nur an die Schrift zu halten und alle Menſchenſatzungen zu verwerfen, welche mit ihr ſtreitig ſind. Und der heilige Paulus hat ausdrücklich geſagt: „„Ein Biſchof ſoll un⸗ ſträflich ſein, einer Frau Mann.““ So warnt er auch vor falſchen Predigern, denn er ſah klar voraus, welche Zeiten kommen wuͤrden; und deutete jene an als ſolche, welche die Ehe und andere Freuden des Lebens verbieten⸗

die uns Gott mit Dankſagung zu empfangen gebot. Und

„Paulus ſelbſt nicht Lerheirathet war, ſo iſt dieß ein eweis mehr dafür, daß nicht die Sinnlichkeit ihn ſpre⸗ ſondern daß der h. Geiſt ihm eingab, was

Wille ſei, des Herrn der Kirche. Und darum ſage

Fuch, Bruder, nehmt eine Frau ohne Furcht und mit ruhigem Gewiſſen.“

„Das will ich thun,“ ſprach der Prieſter ſchnell. „Das hatte ich in mir ſelbſt beſchloſſen, ehe ich Euch zu Rathe zog, aber ich wollte nicht auf meine eigene Autorität allein geſtützt, Aergerniß und Anſtoß geben, denn ich fürchtete, die großen Prediger mochten anders darüber urtheilen. Nun aber, wo Ihr, der gewiß zu mir geſandt iſt, mich mit Eingebung des Himmels in meinem Beſchluſſe ſtärkt, ſo will ich ruhig darin beharren und ihn vollführen, alſo Seinem Willen folgend, der ſicherlich zu einem guten Ziele führt.“

Johann von Woerden ſprach dieß Alles in ſonder⸗ barer Aufregung, die bei der Leidenſchaftlichkeit ſeiner Be⸗ wegungen ſelbſt nicht frei war von einer gewiſſen Roh⸗ heit, die den ruhigen, ſanſtmüthigen Deutſchen einiger⸗