Teil eines Werkes 
4. bis. 7. Bändchen (1847)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

Troſt ein, wenn Du leldeſt, kein Auge verſteht deinen Blick, kein Herz verſteht vein Herz; und dieß nicht, weil du es nicht finden ſollſt auf Deinem Wege, weil die Lieb⸗ liche nicht lebt, die du dir wünſchen würdeſt, ſondern weil du es nicht finden darfſt, weil es verboten iſt! — verboten! Wer aber gab ihnen ein Recht, hier zu verbieten?“

Und indem er ſprach, krampften ſich ſeine Hände zu⸗ ſammen mit der nervoöſen Bewegung, welche ihm eigen war. Paul ſah ihn verwundert an und erröthete; auf ſei⸗ nem ruhigen, ſchuldloſen Geſicht las man deutlich, daß er den Schrei unbefriedigter Leidenſchaft eher entſchuldigte als verſtand.

„Wünſchet Ihr Euch eine Frau?“ frug er.

„Ja, eine,“ ſprach der Prieſter. „Gott ſei gelobt, ja, ſo iſt es jetzt; ehedem war Alles, was Weib hieß, mir ein Gegenſtand der Verſuchung. Ich habe widerſtan⸗ den und überwunden, das weiß mein Gott, der mich den Tag auf den kalten Steinen meiner Betzelle knieen ſah, wo ich den Leib ſo ſehr kreuzigte, daß der W der Begierde für einen Augenblick wich, nicht daß ihn vertrieben aus eigener Kraft, ſondern weil der Väl meine ernſten Bitten erhörte und mein Streben ſegnete und weil er mit mir in dem Kampfe war. Jetzt gehen meine Wünſche nur auf eine keuſche und ehrbare Che mit einer aus Allen erkornen Frau, wie das auch Gottes Wille und Einſetzung iſt.“

Er ſchwieg eine Weile und verſank in Gedanken, wie wenn er mit ſich Rath halte, dann fuhr er fort mit einem Ausdruck im Blicke, der keine Liſt war, aber auch keine reine Offenherzigkeit:

„Aber, ſeht, ich bin Prieſter und als ſolcher habe ich geſchworen „. Niemand hat weder hier, noch bei Euch, ſo viel mir bekannt iſt, ein ſolch Beiſpiel gegeben und wenn ich auch weiß, was der geſegnete Luther darüber lehrt, ſo wage ich doch nicht, darauf allein zu bauen. Sagt mir alſo, Paul, welches iſt die Meinung der Män⸗