2560
unſchuldigen Herzen auf. Ihr Auge glaͤnzte heller; allein den Wunſch auszuſprechen; fehlte ihr doch der
Muth.
„Ich danke dir, liebe Marie; du biſt ſo gut!“ ſprach Reinold, wie es ſchien, noch manches innigere Wort unterdruͤckend. „Aber darf ich denn gleich jetzt, gleich hier anfangen, dich zu malen?“
Sie nickte, ſah aber doch ein wenig ngſtlich dazu aus. Schnell ward nun das Nöthige zur Miniatur⸗ malerei herbeigeholt; allein anfangs ging es mit dem Malen nicht ganz ſo gut, als Reinold gehofft hatte, denn mit gar bedenklichem Ernſt ſchaute die Kleine unverwandt auf den ihr beſtimmten Punkt, und dar⸗ uͤber ward das ſonſt ſo lebhafte Geſicht in kurzer
geit ſehr ſchläfrig und gelangweilt. Doch nun ward ſie von der ermuͤdenden Richtung des Auges auf ei⸗ nen Punkt frei geſprochen, und uͤberdies angelegent⸗ lich unterhalten; denn lieber wollte der Maler den Reiz der anmuthigen Züge nur zur Hälfte ablauſchen, als ſie ſich durch Langeweile und Verſtimmung ent⸗ ſtellen laſſen. Indeſſen — die Liebe fuͤhrte den Pin⸗ ſel — ſo ſehr Marie jetzt die wiedererhaltene Freiheit benutzte, das Bild ward dennoch vollkommen ͤhnlich; es gab ganz ihr heiteres, kindlich unſchuldiges Geſicht
in ſeinen ſchoͤnſten Augenblicken wieder. Und als es
— —— ———


