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Kleine Erzählungen / von Caroline Stille ; mit einem Vorworte von Therese Huber
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der habe große Gewalt uͤber ihn, und könne ihm Leides thun, wann und wo er nur wolle *). — Ich kann's doch nicht recht glauben,“ fugte ſie hinzu; „aber wenn's auch waͤre — es ſchadete ja hier nicht. Denn Er — wenn Er mein Bildchen nun haͤtte, Er wuͤrde mir doch ganz gewiß nur Liebes thun wollen?“

Sie fragte das ſo kindlich froh und unbefangen als möglich; allein Reinold nahm ihre Worte ſehr ernſt. „Ich habe es noch nie anders als redlich ge⸗ meint, ſagte er; und nun vollends mit dir!“ — Es lag etwas ſehr Wahres im Ton dieſer Antwort; und dennoch ſchien jetzt eine leiſe Unruhe in ſeiner Bruſt zu erwachen. Doch bald ward er wieder heiter, und ſetzte laͤchelnd hinzu: „Du kannſt mir das Bild an⸗ vertrauen, Marie! ohne alle Gefahr. Laß es mich immerhin als Andenken begleiten, und vergiß auch du mich nur nicht ganz, wenn ich fort bin!“

„Er hat mir ja die Mutter erhalten!“ erwie⸗ derte Marie ſchnell. „ und auch ſonſt — nein, ver⸗ geſſen werd' ich ihn gewiß nicht!“ Sie ſchwieg; ein leiſer Wunſch, daß ſein kleines Bild, welches ſie geſtern geſehen, ihr auch bleiben moͤge, dämmerte in dem

*) Dieſer Aberglaube ſolt ſich wirklich in einigen Ge⸗ genden, beſondors der Schweiz, unter den Landleuten fin den.

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