Druckschrift 
Kleine Erzählungen / von Caroline Stille ; mit einem Vorworte von Therese Huber
Entstehung
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„Ich ſprach nur wie ich's meinte, Marie!“ verſicherte Reinold ſehr ehrlich; allein ſie hoͤrte ihn nicht mehr, denn der Kahn landete, und ſchnell war ſie hinaus an's Ufer. „Leb' er wohl, Herr!“ rief ſie noch freundlich, doch eilig zuruͤck, und flog dann leicht und behend den ſchmalen Pfad auf das elter⸗ liche Haus zu.

„Die macht nicht viel Umſtäͤnde,“ ſprach der Vater, indem er ihr lächelnd nachblickte; und viel hoͤflicher, als ſie, forderte er nun den Fremden zum Eintreten in ſeine Wohnung auf. Dieſer ließ ſich nicht lange bitten, und ſo gingen ſie denn in freund⸗ lichem Geſpraͤch mit einander dem Hauſe zu. Es hatte ein ſehr reinliches, wohlerhaltenes Anſehn, und auch das Innere deſſelben verrieth Wohlſtand und Ordnungsliebe. Jetzt erſt bemerkte Reinold, was ihn bisher Marie hatte uͤberſehen laſſen, daß auch ihre Kleidung huͤbſcher und vortheilhaſter war, als die der meiſten Landmädchen der Gegend. Das ſchar⸗ lachrothe Mieder ſchmiegte ſich dicht an die ſchlanke Geſtalt, und die ſchneeweißen Hemdaͤrmel nebſt der reinlichen Schuͤrze von gleicher Farbe, gaben der Tracht etwas ſehr Nettes und beinahe Zierliches. —