Druckschrift 
Kleine Erzählungen / von Caroline Stille ; mit einem Vorworte von Therese Huber
Entstehung
Einzelbild herunterladen

250

freundlich ſein Mutzchen ruckend; „wenn's dem Herrn gefällt. Aber ein Viertelſtundchen mag's wol noch waͤhren, ehe wir hier fertig ſind.“ — „Das hin⸗ dert nicht,“ antwortete Reinold; „ich hole indeß meine Sachen, und komme dann wieder.“ — „Schon recht! “ erwiederte der Schiffer lakoniſch; doch ſchnell ſchaute jetzt hinter dem Getreide ein wohlbekanntes, bluͤhendes Geſichtchen hervor, und rief im freundlich ſchmeichelnden Ton: „O, lieber Herr! aber ich bitt' ihn recht ſchon, ſaͤum' er nicht zu lange. Die Mutter iſt mir krank daheim, und ich wär ſo gar gerne bald wieder zuruͤck!“ Es war die ſchoͤne Wandrerinn vom vorigen Abend; wie haͤtte Reinold ihr dieſe Bitte, wie haͤtt' er ihr uͤberhaupt irgend eine abſchlagen können! „Nicht zehn Minuten bleib' ich weg!“ rief er ver⸗ ſichernd zuruͤck; und um gewiß halten zu können, was er verſprach, eilte er nun auch augenblickich davon. Puͤnktlich zur beſtimmten Zeit war er wieder da; und nicht lange, ſo ſtand er, vom Laͤcheln des Glücks begäͤnſtigt, im Kahn neben der ſchoͤnen Marie. Ihre Miene war heute viel heiterer, als am vorigen

*

.