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Kleine Erzählungen / von Caroline Stille ; mit einem Vorworte von Therese Huber
Entstehung
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Das Zimmerchen, welches man ihm anwies, hatte die Ausſicht auf den Fluß, deſſen lichtgruͤne Ufer von dem indeß heraufgekommenen Monde jetzt wieder hell beleuchtet wurden. Vom Garten herauf verſtreute reiche Bluͤthenfulle ihren duftigen Hauch in die kuͤhle, erfriſchende Luft. Reinold weilte noch lange am Fenſter, und wunderte ſich faſt ſelbſt, daß es ihm hier ſo wohl ſey an dieſem zwar freundlichen, doch gar nicht ausgezeichneten Plätzchen, da er doch kaum erſt ſo viel Schoͤneres geſehen. Iſt die Stim⸗ mung unſeres Gemuͤths heiter, ſo bedarf es nur ein⸗ fachen Schmuckes der Natur, ſie zu erhoͤhen; und fehlt dieſe Stimmung, ſo kann jene auch im reich⸗ ſten Prachtkleide ſie uns dennoch nicht geben. —

Erſt ſpät am andern Morgen erwachte Reinold, von der weiten Wanderung des vorigen Tages in feſten Schlaf gewiegt, und war, um das Verſaͤumte nachzuholen, nun doppelt ſchnell geruͤſtet und mit dem Fruͤhſtuͤck fertig. Doch als er jetzt ſeinen Wan⸗ derſtab weiter ſetzen wollte, zog es ihn wie ein heim⸗ licher Zauber noch einmal an die Uferſtelle, wo er am vorigen Abend verweilte. Auch jetzt ſtand er wieder von einem Augenblick zum andern da, und