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Kleine Erzählungen / von Caroline Stille ; mit einem Vorworte von Therese Huber
Entstehung
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„Nun denn, ſo will ich malen!“ rief Marianne, beinahe mißmuͤthig uͤber dieſe Botſchaft. „Es wird mir dabei ſeyn, als wäre ich wieder in meinem laͤnd⸗ lich ſtillen Stubchen, wo ich mich nie, nie ſo verlaſ⸗ ſen fuͤhlte, als hier in der großen, geraͤuſchvollen

Stadt!“ — Schnell ſtellte ſie das Bild neben dem Tiſche auf, holte geſchäftig Pergament, Farben, Alles was ſie brauchte, herbei, und ließ im Hin⸗ und Her⸗ gehen die Thuͤr offen. Dann begann die Arbeit, und ihr ward beim wiederholten Anſchauen des Bil⸗ des zwar wehmuͤthig bekuͤmmert, aber doch milder und ruhiger zu Muth, als vorher. So mochte ſie denn wol ſchon zwei Stunden ununterbrochen gemalt haben, als ſie plotzlich auf eine ſeltſame Weiſe ge⸗ ſtort ward: durch einen leiſen, doch ſchmerzlichen Schrei dicht hinter ihr.

Erſtaunt ſah ſie ſich um, und erblickte eine ſchlanke weibliche Geſtalt, welche ſich bleich und zit⸗ ternd, die Augen feſt auf das Bild geheſtet, gegen einen Seſſel am Eingang des Zimmers lehnte. Beide ſich hier ſo ſeltſam Begegnende blieben einige Augen⸗ blicke ſprachlos; eine aͤngſtliche Ahnung, daß die Fremde Amalie ſey, und daß auch eben gegen ſie