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Der treue Knappe am Kreuz oder: Der blutige Gang zur St. Johannniskapelle : Rittergeschichte aus der grauen Vorzeit / von F. Thalheim
Entstehung
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206 er jetzt empor zum ſterbenden Kuno, deſſen blutgefaͤrbte, nackte Glieder ſchauerlich im Mondſchein blinkten und der wie im Selbſt⸗ geſpraͤch fluͤſterte: „Frommer Wilibald! ſo haͤtte meine Ahnung mich nicht betrogen und was dein Mund mir erzaͤhlte, waͤre Wahr⸗ heit geweſen! Jene ungluͤckliche Marie war meine Mutter und der Rudelsburger mein Vater, er, deſſen Zornwort mich dem Tode weihte.“ „Ja, ich bin Dein Moͤrder!“ ſchrie der alte Ritter mit fuͤrchterlicher Stimme, „ich bin Dein und Deiner Mutter Moͤrder und wage den Blick furderhin nicht mehr zum Himmel zu erheben. Schon durch dieſe Tha⸗ ten habe ich mein ganzes Seelenheil ver⸗ ſcherzt und mein einziger Wunſch, den ich noch haben könnte, iſt ein ewiges Vergeſſen meines Lebenslaufes, ein langer, ewiger Schlaf, um nimmer wieder zu erwachen. Ich ſcheue jene Welt, ich furchte Gottes Richtſchwert und

doch ſtehe ich ſchon ſo nahe am Grabe, kann

ichts mehr gut machen.“ „Wohl könnt Ihr