205 4 Nach kurzer Friſt nahte ſich abermals
eine dunkle Geſtalt; es war der alte Rudels⸗ burger und lange ſchaute er an der hohen Fichte empor und begann endlich mit kaum hoͤrbarem Tone: „Kuno, mein Sohn Kuno!“ Der treue Knappe neigte das Kaupt zur Bruſt, nur ein abgebrochener Laut rang ſich aus ſeinem Munde. Der Ritter aber fuhr aͤngſtlicher und dringender fort: „Kuno, horſt Du nicht die Stimme Deines Vaters? hörſt Du nicht die Stimme des Rudelsburgers, der Dich grauſam verſtieß, ehe Du noch denken konnteſt, der Deine Mutter in einer dunkeln 1 Nacht am Altare der Sankt Johanniskapelle erſchlug? Durch Blut hatte ich ſie erkauft, doch bald ſchwand ihre Schoͤnheit und der Teufel fluͤſterte mir zu, mich ihrer zu entledi⸗ gen. Ich nahm eine Andere, Blühendere; zum Weibe, ich verſtieß Dich, unbekuͤmmer 5 Dir gehen moͤchte. Aber ich bereue That, ich bereue ſie jetzt, deshal vergi Kuno, vergib mir!“ Einen ſcheuen Blie


