Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1850)
Entstehung
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einen beſondern Geſchmack für's Kleidermachen hatte, eine Kunſt, in der ſie in Paris in die Lehre gegangen, ehe ſie dort in Miß Blanche's Dienſte eintrat, mußte ſie vom Morgen bis in die Nacht Miß Amory's Kleider änderi, und ſtand ſehr früh auf und ging ſehr ſpät zu Bett, indem ſie ihrer kleinen Zuchtmeiſterin in ihren unermüdlichen Capricen Gehorſam leiſtete.

Das Mädchen war von angeſehenen, engliſchen Aeltern. Viele von unſern Landsleuten, in Paris angeſie⸗ delt, haben beſſere Tage geſehen und ſind nicht ſo ganz rui⸗ nirt, leben nicht ganz vom Mitleid Anderer und können doch ohne daſſelbe nicht vorwärts kommen; und da ihr Vater ein Krippel war und nicht arbeiten konnte, und ihre Heimkehr nur eine neue Laſt und ein Elend für die Familie geweſen wäre, ſo blieb der armen Pincott nichts übrig, als da zu bleiben, wo ſie ſich ernähren konnte und für ihre Aeltern eine kleine Unterſtützung zu er⸗ ſparen.

Unſere Muſe verfehlte nie, mit der Aufrichtigkeit, die ſie ſtets auszeichnete, ihrer Dienerin den wahren Stand der Dinge ins Gedächtniß zurückzurufen. „Ich würde Dich fortſchicken, Pincott, denn Du biſt viel zu ſchwach und Deine Augen verſagen Dir; Du weinſt und greinſt immer und brauchſt den Doktor; aber ich wünſchte, Deine Aeltern daheim hätten eine Unterſtützung an Dir, und ihretwegen halt ich's mit Dir aus,“ pflegte die theure Blanche ihrer furchtſamen kleinen Dienerin zu Gemüth zu führen; oder: „Pincott, Dein elendes Ausſehen und Dein ſklaviſches Weſen, und Deine rothen Augen machen mir Migräne, und ich glaube, ich will Dich rouge kleiden. daß Du ein wenig luſtiger ausſiehſt;“ oder: „Pincott, ich kanns nicht ertragen, ſelbſt Deinen hungernden Aeltern zu lieb, daß Du mir ſo das Haar aus dem Kopfe reiß'ſt, und ich will Dir dankbar ſein, wenn Du ihnen ſchreibſt und ſagſt, daß ich Dich Deiner Dienſte enthebe.“ Nach ſolchen Reden und nachdem ſie ſie eine Stunde lang über ihrem Haare hatte zittern