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das Gefühl war wie eine andere Beſchwerde, deren Ho⸗ raz erwähnt, durch ſo große Nachſicht gegen ſich ſelbſt erhöht, (ich bedaure, meine Damen, ſagen zu müſſen, daß das fragliche Uebel Waſſerſucht heißt) und jemehr ſie weinen, deſto mehr werden Sie das Vermögen und den Drang haben, es zu thun.
Miſſy hatte ſehr früh begonnen, Gefühle auszu⸗ ſtrömen; Lamartine war ihr Lieblingsbarde ſeit der Zeit, da ſie zuerſt fühlen konnte, und ſie hatte in der Folge durch ein fleißiges Studium der Novellen der großen modernen Autoren Frankreichs ihren Geiſt fortgebildet; da war kein Roman von Balzac und George Sand, den das unermüdliche, kleine Geſchöpf im ſechszehnten Jahre nicht verſchlungen hätte; und obgleich ſie mit ihren Verwandten in der Heimath wenig ſympathiſirte, ſo hatte ſie doch, wie ſie ſagte, Freunde in der geiſtigen Welt. Die zärtliche Indiana, die leidenſchaftliche und pvetiſche Lälia, den liebenswürdigen Trenmor, den hochſinnigen Miſſethäter, den Engel der Galeeren, den feurigen Stenio — und die zahlloſen andern Helden der franzö⸗ ſiſchen Romane. Sie war verliebt in den Prinzen Ru⸗ dolph und den Prinzen Djalma, während ſie noch in der Schule war, und hatte die Scheidungsfrage und die Rechte der Weiber mit Indiana abgemacht, ehe ſie die Ueberſchürzen ablegte. Die ungeſtüme, kleine Laby ſpielte mit dieſen imaginären Heldinnen Liebe, wie ſie kurz zuvor mit ihrer Puppe Mütterchen geſpielt. Die niedlichen, kleinen pvetiſchen Geſchöpfe! Es iſt allerliebſt, wenn man dieſen Spielereien zuſieht;z heute iſt der blau⸗ äugige der Günſtling und der ſchwarzäugige wird zu⸗ rück in die Schublade geſchoben. Morgen kommen die blauen in Mißkredit, und es mag ein garſtiger kleiner Wicht mit einer verbrannten Naſe ſein, der kein Haar auf und keine Augen in dem Kopfe hat, der den erſten Platz in der Zuneigung der Miß einnimmt, und in ihren Armen gedrückt und geliebkost wird.
Da man von Novelliſten annimmt, daß ſie Alles


