Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

kommen Sie mit mir auf mein eigenes Zimmer, — mein, mein eigenes Zimmer. Es iſt ein allerliebſtes Zimmer, obgleich es das garſtige Geſchöpf, der Kapitän Strong, angeordnet hat. Sind Sie éprise auf ihn? Er ſagt ſo, aber ich weiß es beſſer; es iſt der ſchöne Vetter, ja — il a de beaus yeux; je n'aime pas jes blonds, ordinairement; car je suis blonde moi — je suis Blanche et blonde,“ — und ſie ſah ihr ins Geſicht und machte eine moue in den Spiegel, und wartele nicht, bis Laura ihr auf die an ſie geſtellten Fragen geantwortet hatte.

Blanche war ſchön, und wie eine Sylphe. Sie hatte hübſches Haar, mit grünen Reflexionen darin. Aber ſie hatte dunkle Augbrauen. Sie hatte lange ſchwarze Augenlieder, welche ſchöne braune Augen über⸗ ſchleierten. Sie hatte eine ſo ſchlanke Taille, daß es eine Luſt war, ſie anzuſchauen, und ſo kleine, leichte Füßchen, daß man meinte, das Gras würde ſich kaum unter ihr ſenken. Ihre Lippen waren von der Farbe ſchwacher Roſenknoſpen, und ihre Stimme wirbelte leicht über eine Reihe der lieblichſten Perlzähne, die man je⸗ mals ſehen konnte. Sie zeigte ſie ſehr oft, denn ſie waren ſehr ſchön. Sie war ſehr gutmüthig, und ein Lächeln zeigte nicht nur ihre wundervollen Zähne, ſon⸗ dern auch zwei liebliche blaßrothe Grübchen, welche in ihren beiden Wangen niſteten.

Sie zeigte Laura ihre Zeichnungen, welche die An⸗ dere für bezaubernd hielt. Sie ſpielte ihr einige ihrer Walzer mit pfeilſchnellem brillantem Finger, und Laura war noch mehr bezaubert, und ſie las ihr einige fran⸗ zöſiſche und engliſche Gedichte, gleichfalls ihre eigene Schöpfung, und welche ſie in ihrem eigenen Buche, ihrem eigenen lieben, kleinen Buche verſchloſſen. Es war in blauen Sammt gebunden, mit einem goldenen Schloß, und darauf waren als Aufſchrift in Gold ge⸗ druckt die Worte: „Mes larmes!“

„Mes larmes! — Iſt das kein ſchöner Name?“