Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

13

Jahre älter, als ſie, und hatte zu keiner Zeit zu den

feurigſten Männern gehört. Vielleicht hatte er in ſeinem

früheren Leben eine Liebesaffaire gehabt, die er zu er⸗ ſticken wußte — vielleicht ſollten alle frühen Liebſchaf⸗ ten, wie ſo viele blinde Kätzchen, erſtickt oder ertränkt werden. Sei dem, wie ihm wolle, in ſeinem dreiund⸗ vierzigſten war er ein geſetzter, ruhiger, kleiner Gent⸗ leman mit ſchwarzen Strümpfen und einem kahlen Kopf, und wenige Tage nach der Feierlichkeit beſuchte er ſie, und während er ihren Puls fühlte, hielt er ihre Hand in der ſeinigen, und fragte, wo ſie ihren Aufenthalt nehmen werde, nun die Pontypoolfamilie herabgekommen war, um ihr Erbe in Kiſten zu nageln und in Schränke zu verpacken und mit Heubändern zu umwickeln und in Stroh zu begraben und unter dreifachem Verſchluß in

den mit grünem Boi ausſtaffirten Silberkiſten aufbe⸗

wahrt unter den Augen der armen Miß Helen davon führen zu laſſen — fragte er ſie, wo ſie ſchließlich ihren Aufenthalt nehmen wollte?

Ihre Augen füllten ſich mit Thränen, und ſie ſagte, ſie wüßte es nicht. Sie hätte nur wenig Geld. Die alte Lady hätte ihr tauſend Pfund hinterlaſſen, und ſie meinte, ſie wolle in ein Koſthaus oder in eine Schule gehen: in fne, ſie wußte noch nicht wohin.

Jetzt blickte ihr Pendennis in das blaſſe Geſicht und ihr kaltes Händchen haltend, fragte er ſie, ob ſie nicht mit ihm leben wollte? Er wäre alt in Vergleich mit — mit einer ſo blühenden jungen Lady, wie Miß Thiſt⸗ lewood (Pendennis war von der ernſten, alten Kom⸗ plimentirſchule der Gentlemen und Apotheker) aber von guter Herkunft, und wie er ſich ſchmeichle, von guter Denk⸗ und Gemüthsart, ſeine Ausſichten wären gut und beſſerten ſich täglich. Er ſei allein in der Welt und bedürfe einer freundlichen und treuen Genoſſin, welche glücklich zu machen das Studium ſeines Lebens ſein würde. Mit einem Wort: er rezitirte ihr ein Ser⸗ mönchen, das er dieſen Morgen im Bett verfaßt und