323
chens, ein einziges Haar vom Barte eines Mannes gibt in einer Minute den Ausſchlag gegen ſie alle. In den Augen Emmy's wogen ſie nicht mehr, als in denen einer andern Frau. Sie hatte ſie probirt; wollte ſie für voll⸗ wichtig annehmen; konnte nicht; und nun hatte das un⸗ barmherzige Weibchen einen Vorwand gefunden, und den Entſchluß gefaßt, ſich frei zu machen.
Als endlich der Major im Laufe des Nachmittags vor Amalie gelaſſen wurde, erhielt er ſtatt des herzlichen und liebevollen Grußes, an den er nun ſchon lange ge⸗ wohnt war, einen Knicks, ſowie ein kleines behandſchuh⸗ tes Händchen, das aber kaum hingeſtreckt worden, als es ſchon wieder zurückgezogen ward.
Rebekka befand ſich ebenfalls im Zimmer, und ging lächelnd und mit ausgeſtreckter Hand auf ihn zu.
Dobbin zog ſich ziemlich verwirrt zurück.
„Ich — ich bitte Sie um Vergebung, Ma'am,“ ſprach er; „allein ich muß Ihnen ſagen, daß ich jetzt nicht als Ihr Freund hier erſcheine.“
„Bah! Erſpar' uns doch das verdammte Zeug!“ Jos, der eine Scene vermieden wiſſen wollte, un⸗ ruhig.
„Möchte wohl wiſſen, was Major Dobbin gegen Rebekka zu ſagen hat?“ ſagte Amalie mit leiſer, klarer leicht bebender Stimme, und mit einem Blicke, worin ſich große Entſchloſſenheit ausſprach.
„Ich mag ſo Etwas nicht im Hauſe haben,“ fiel Jos wieder ein. „Ich ſage nochmals, ich mag es nicht haben: und Dich, Dobbin, bitte ich, ruhig zu ſein.“
Und zitternd und ſtark erröthend blickte er umher, worauf er mit gewaltigem Gekeuche auf ſeine Thüre zu⸗ ging.
„Theurer Freund!“ ſprach Rebekka mit engelgleicher Sanftmuth, „hören Sie doch, was Major Dobbin gegen mich zu ſagen hat.“


