M.
319
nicht über die Niederlage, hinweg und machte ihr eine Verbeugung, die gerade ſo hochmüthig war, wie der tödt⸗ liche Knicks, womit die kleine Frau für paſſend erachtet hatte, ihm Lebewohl zu ſagen.
Als er fort war, war Emmy beſonders munter und freundſchaftlich gegenüber von Rebekka, und machte ſich in den Zimmern zu ſchaffen, und inſtallirte ihren Gaſt mit einem Eifer und einer Thätigkeit, die wir bei unſerer ruhigen kleinen Freundin nur ſelten zu bemerken Gelegen⸗ heit gehabt haben. Wenn aber ein Akt der Ungerechtig⸗ keit, und insbeſondere durch ſchwache Menſchen, verübt werden ſoll, ſo iſt es wohl am Beſten, wenn es recht raſch geſchieht; und Emmy dachte, ſie entwickle bei die⸗ ſem ihrem Benehmen viele Feſtigleit, und lege dabei ge⸗ gen den verſtorbenen Capitän Osborne die geziemende Verehrung und Geſinnung an den Tag.
Georgy kam von den Feſtlichkeiten zum Eſſen nach Hauſe, und fand, wie gewöhnlich, für vier Perſonen ge⸗ deckt; allein einer der Plätze war von einer Dame, an⸗ ſtatt von Major Dobbin, eingenommen.
„Hullo! Wo iſt Dob?“ fragte der junge Herr in ſeiner gewöhnlichen unceremoniöſen Weiſe.
„Major Dobbin ſpeist vermuthlich in der Stadt,“ ſagte ſeine Mutter, und gab dem Knaben, indem ſie den⸗ ſelben zu ſich herzog, viele Küſſe, und ſtrich ihm das Haar aus der Stirn, und ſtellte ihn Mrs. Crawley vor. „Dieß iſt mein Knabe, Rebekka,“ fuhr Mrs. Osborne fort — womit ſie ſagen wollte: kann die Welt etwas Schoneres aufweiſen?
Becky blickte ihn entzückt an, und vruckte ſeine Hand mit vieler Zärtlichkeit.
„Theurer Knabe!“ ſprach ſie — „er iſt gerade, wie mein —“
Ihre tiefe Gemüthsbewegung ließ ſie nicht weiter ſprechen; allein Amalie wußte ſo gut, als ob Becky aus⸗ geſprochen, daß dieſelbe an ihr eigenes liebes Kind dachte.


