Teil eines Werkes 
14. bis 19. Bändchen (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

Amalie geht gar oft ſehnſüchtig an der Thüre vor⸗ über, in der Erwartung, Herr Brown werde ihr etwas Neues mitzutheilen haben; allein er winkt ihr nie herein. Wenn ſie hineingeht, um kleine Einkäufe zu machen, ſo ſind ebenſo wenig Nachrichten für ſie da.

Arme, ſchlichte, zarte, und ſchwache Dame — wie kannſt Du Dich mit der boͤſen, ringenden Welt in einen Kampf einlaſſen!

Jeden Tag wird ſie trauriger, und ſetzen ihr die Sorgen mehr zu: ſie heftet ängſtliche Augen auf ihr Kind, deren Ausdruck der kleine Knabe nicht zu deuten vermag. Nachts fährt ſie plotzlich auf, und lugt ganz verſtohlen in ſein Zimmerchen hinein, um ſich zu verge⸗ wiſſern, daß er darin ſchläft, und nicht geraubt worden iſt.

Sie ſchläft jetzt nur wenig. Ein Gedanke und Schrecken verfolgt ſie ſtets. Wie ſie in den langen, ſtil⸗ len Nächten weint und betet, — wie ſie es verſucht, den ſtets wiederkehrenden Gedanken zu bannen, daß ſie ſich von dem Knaben trennen müſſe, da ſie die einzige Schranke zwiſchen ihm und dem Glücke fei!

Sie kann es aber nicht, ſie kann es nicht! Wenig⸗ ſtens jetzt nicht. Später. Ach! es iſt zu ſchwer, daran zu denken und es zu ertragen.

Ein Gevanke, der ſie erröthen macht, und worüber ſie ſich von ſich ſelbſt abwendet, ſteigt in ihrem Geiſte auf: ihre Eltern könnten den Jahrgehalt für ſich behal⸗ ten — der Pfarrer würde ſie heirathen, und ihr und dem Knaben endlich zu einer Heimath verhelfen.

Allein George's Bild und theures Andenken find da, um ihr Vorwürfe zu machen. Die Scham und die Liebe ſagen zu dem Opfer: Nein. Sie ſchaudert vor dem Gedanken, als etwas Unheiligem, zurück; und ſolche Ge⸗ danken finden nie eine bleibende Stelle in dem reinen und ſanften Buſen. *5

Der Kampf, den wir hier mit ein Paar Worten beſchreiben, dauerte in dem Herzen der armen Amalie