253
„Sie ſollte Jemand bei ſich haben,“ ſagte Rebekka. „Ich glaube, ſie iſt ſehr unwohl.“
Und Mrs. Crawley entfernte ſich mit einem ſehr ernſten Geſichte, und ohne auf Herr Sedley's angelegent⸗ lichſte Bitten, daß ſie doch dableiben, und an dem frühen Diner, das er beſtellt, Theil nehmen möchte, zu achten.
Rebekka war von Hauſe aus gutmüthig und gefällig, und Amalien eher geneigt, als nicht. Sogar ihre harten Worte enthielten noch Complimente, ſo vorwurfsvoll ſie auch waren — es war das Aechzen einer Perſon, die ſich beſiegt fühlte. Als Rebekka Mrs. O'Dowd traf, welche die Predigten des Dekans keineswegs zu tröſten vermocht hatten, und die ganz troſtlos im Park umher⸗ ging, redete ſie Letztere an, was die Majorin ziemlich überraſchte, die an ſolche Kundgebungen der Hoflichkeit von Seiten der Mrs. Rawdon Crawley wenig gewöhnt war, und ſchickte, nachdem ſie der gutmüthigen Irländerin geſagt, daß die arme kleine Mrs. Osborne in einem ver⸗ zweiſelten Zuſtande ſich befände, und vor Kummer faſt außer ſich wäre, dieſelbe geradezu hin, um einen Verſuch zu machen, ob ſie ihrer jungen Freundin nicht Troſt ein⸗ ſprechen könne.
„Ich habe ſelbſt Sorgen genug,“ ſagte Mrs. O'Dowd ernſt, „und ich dachte, daß die arme Amalie heute kein großes Verlangen nach Geſellſchaft haben würde. Wenn es aber ſo ſchlimm mit ihr ſteht, wie Sie ſagen, und wenn Sie, die Sie ſie doch ſo lieb hatten, nicht bei ihr bleiben können, ſo will ich, meiner Treu, ſehen, ob ich nicht von einigem Nutzen ſein kann. Und ſo wünſche ich Ihnen denn einen guten Morgen, Madame.“
So ſprechend, und den Kopf in die Höhe werfend, verabſchiedete ſich die Dame mit der Repetiruhr von Crawley, deren Geſellſchaft ſie keineswegs eifrig uchte.
Becky ſah ſie, mit einem Lächeln auf der Lippe, ab⸗ trollen. Sie hatte für alles Humoriſtiſche einen Sinn,


