Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

25⁵2

Wochen. So lange hätteſt Du mir ihn doch laſſen kön⸗ nen, Rebekka. Und doch biſt Du, vom erſten Tage unſe⸗ rer Heirath an, zwiſchen uns getreten, und haſt unſer Glück muthwillig zerſtört. Und jetzt, wo er fort iſt, kommſt Du, um zu ſehen, wie unglücklich ich bin?“ Noch ſetzte ſie hinzu: „Du haſt mich in den letzten vierzehn Tagen unglücklich genug gemacht: Du hätteſt mich we⸗ nigſtens heute verſchonen können.“

„Ich — ich bin nie hieher gekommen,“ fiel Re⸗ ein, wobei ſie eine unglückliche Wahrheit aus⸗ ſprach.

„Nein; Du biſt nicht hieher gekommen. Du haſt ihn von mir weggezogen. Biſt Du gekommen, um ihn von mir wegzuholen?“ fuhr ſie in wilderem Tone fort. „Er iſt hier geweſen, iſt nun aber fort! Auf jenem Sopha dort hat er geſeſſen. Berühre es nicht. Dort haben wir mit einander geſeſſen und geſprochen. Ich ſaß auf ſeinem Knie, und meine Arme umſchlangen ſeinen Hals, und wir beteten ein Vater unſer. Ja, ja, er iſt hier

geweſen: und man iſt gekommen, und hat ihn weggeholt,

allein er hat mir verſprochen, daß er zurückkommen wollte.“

„Er wird zurückfommen, meine Theure,“ ſagte Re⸗ bekka, wider ihren Willen gerührt.

„Sieh her,“ ſagte Amalie, „hier iſt ſeine Schärpe — iſt es nicht eine hübſche Farbe?“

Und ſie führte die Franſen an ihre Lippe, und küßte ſie. Sie hatte im Laufe des Tages die Schärpe um ihre Taille gebunden. Sie hatte anſcheinend ihren Zorn, ihre Eiferſucht, ja ſogar die Gegenwart ihrer Nebenbuhlerin vergeſſen; denn ſie ging ſchweigend, und faſt mit einem Lächeln im Geſichte, auf das Bett zu, und fing an, George's Kiſſen mit der Hand glatt zu ſtreichen.

Auch Rebekka ging ſchweigend davon. „Wie befindet ſich Amalie?“ fragte Jos, der immer noch auf ſeinem Stuhle ſaß.