Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1850)
Entstehung
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thige, gebrochenen Herzen ausgepreßte Proteſtationen ſich nicht Luft gemacht — Proteſtationen, die im großen Sie⸗ geslärme verhallten!

Auf die erſte Regung des Schreckens im Geiſte Ama⸗ liens — als Rebekta's grüne Augen auf ſie fielen, und Letztere, in ihrem neuen rauſchenden, ſeidenen Gewande und ihrem glänzenden Schmucke, mit ausgeſtreckten Armen auf ſie zutrippelte, um ſie zu umarmen — folgte ein Ge⸗ fühl des Zorns; und wenn ihr Geſicht vorher todblaß geweſen war, ſo wurde es nun mit einem Male purpur⸗ roth, und nach einem Augenblicke erwiederte ſie Rebekka's Blick mit einer Feſtigkeit, die ihre Nebenbuhlerin über⸗ raſchte und etwas verlegen machte.

„Theuerſte Amalie, Du biſt ſehr unwohl,“ ſagte Re⸗ bekka, die Hand ausſtreckend, um die Amaliens zu er⸗ greifen. „Was iſt es2 Ich konnte nicht ruhen, bis ich wußte, wie Du Dich befändeſt.“

Amalie zog ihre Hand zurück — noch nie in ihrem Leben hatte die ſanfte Seele es über ſich vermocht, eine Freunvſchafts⸗ oder Liebesdemonſtration nicht zu erwiedern oder nicht daran zu glauben. Allein dieſes Mal zog ſie ihre Hand zurück und zitterte und bebte am ganzen Koͤr⸗ per. „Warum biſt Du hier, Rebekka?“ ſagte ſie, ſie immer noch mit ihren großen Augen feierlich anblickend. Rebekka wurde dadurch etwas aus der Faſſung gebracht.

„Sie muß geſehen haben, wie er mir auf dem Balle das Brieſchen gab,“ dachte Rebekka. „Sei doch nicht un⸗ ruhig, liebe Amalie,“ ſagte ſie, auf den Boden blickend. „Ich bin nur gekommen, um zu ſehen, ob ich Dir — ob Du wohl biſt.“

„Biſt Du wohl?“ ſagte Amalie. „Ich denke wohl, vaß Du es biſt. Du liebſt Deinen Mann nicht. Du wäreſt nicht hier, wenn Du ihn liebteſt. Sag mir doch, Rebekka, haſt Du Dich je einmal über mich zu beklagen gehabt, und habe ich mich je einmal anders, als freund⸗ lich gegen Dich erwieſen?“