248
den Blicke, die Art, wie Sie ſich in der neueſten Zeit gegen mich benommen haben — und eben jetzt, als ich hereintrat, das Alles bewies es mir. Allein, waren für mich keine Gründe vorhanden, Sie zu meiden? Möge Ihr eigenes Herz dieſe Frage beantworten. Glauben Sie, mein Mann ſei allzu geneigt geweſen, Sie bei uns zu ſehen ? Die einzigen unfreundlichen Worte, die er mir noch gege⸗ ben (ich muß Capitän Crawley dieſe Gerechtigkeit wider⸗ fahren laſſen), ſind wegen Ihrer erfolgt — und es waren ja grauſame, recht grauſame Worte.“
„Gütiger Himmel! was habe ich denn gethan?“ fragte Jos, bei dem die Freude eben ſo groß war wie die Verlegenheit; „was habe ich gethan — um — um —?“
„Iſt denn die Eiferſucht Nichts?“ ſagte Rebekka. „Ich bin wegen Ihrer unglücklich. Und mein Herz gehört ganz allein meinem Manne, — was auch früher vorge⸗ gangen ſein mag. Ich bin jetzt unſchuldig. Nicht wahr, Herr Sedley?“
Das ganze Blut Jos' gerieth in freudige Wallung, indem er dieſes Opfer ſeiner Reize anſah. Einige wenige geſchickte Worte, ein Paar ſchlaue, zärtliche Blicke, — und ſein Herz ſtand wieder in Flammen, und ſeine Zweifel und ſein Verdacht waren vergeſſen. Sind nicht ſeit Sa⸗ lomos Tagen ſchon weiſere Männer, als er, von Frauen betrogen und bethort worden? „Geht Alles ganz ſchief,“ dachte Becky, „ſo iſt doch mein Rückzug geſichert, und der beſte Platz in der Barouche iſt mir dann ſicher genug.“
Man kann ſchlechterdings nicht wiſſen, zu welchen Liebeserklärungen Herr Joſeph durch ſeine gewaltigen Lei⸗ denſchaften hingeriſſen worden wäre, hätte nicht Iſidor, der Kammerdiener, in dieſem Augenblicke ſich wieder ge⸗ zeigt und angefangen, ſich im Zimmer mit allerlei Dingen zu thun zu machen. Jos, der gerade im Begriffe war, ein Liebesbekenntniß hervorzukeuchen, erſtickte faſt an der Ge⸗ müthsbewegung, die er nun zurückdrängen mußte. Auch Rebekka dachte, daß es nun Zeit ſei, zu ihrer theuerſten


