240 für ſich behalten. Letztere mußte ſich auf einem der fei⸗
nen mit Buſenſtreifen und Manſchetten verſehenen Hemden
wunderhübſch ausnehmen; den polniſchen Rock wollte er ſich zurecht machen laſſen; und ſo calculirte er denn, daß er, wenn er noch die goldbebortete Mütze, den mit einem goldenen Knopfe verſehenen Stock des Capitäns, und den großen doppelten Rubinring, aus dem ſich zwei prachtvolle
Ohrringe machen ließen, hätte, aus ſich einen vollkomme⸗ nen Avonis, und Mademviſelle Reine leicht zu ſeiner Beute machen würde. „Wie gut werden mir dieſe Hemd⸗ knöpfe ſiehen,“ dachte er, als er ein Paar an den dicken quabbeligen Handgelenken des Herrn Sedley befeſtigte.
„Hemvknöpfe gehen doch über Alles; und corbleu, wel⸗
chen Effect werden die im nächſten Zimmer ſtehenden
Stiefeln des Capitäns mit ihren meſſingenen Sporen in
der Allé-Verte machen!“
So flog, während Monſieur Iſidor mit ſeinen leib⸗ lichen Fingern ſeines Herrn Naſe hielt, und den unteren Theil von Jos' Geſicht ſeines haarigen Auswuchſes be⸗ raubte, die Phantaſie des Kammerdieners der grünen Avenüe zu: ſchon erblickte er ſich im polniſchen Rocke, in Manſchetten und im feinen Buſenſtreifen, und ſchon luſt⸗ wandelte er im Geiſte mit Mademviſelle Reine die Ufer des Kanals entlang, und muſterte er die Barken, die in dem kühlen Schatten der denſelben bekränzenden Bäume langſam dahinfuhren, und erfriſchte er ſich mit einem Kruge Faro auf der Bank eines Bierhauſes auf dem Wege nach Laeken. 4
Aber glücklicher Weiſe wußte Herr Joſeph Sedley im Intereſſe ſeines eigenen Friedens ebenſo wenig, was in dem Kopfe ſeines Kammerdieners vorging, als der ver⸗ ehrte Leſer und ich errathen können, was John oder Mary, die unſer Brod eſſen, von uns denlen. Was unſere Dienſt⸗ boten von une denken! — Wüßten wir, was unſere in⸗ timſten Freunde und unſere theuerſten Verwandten von uns denken, ſo würden wir in einer Welt leben, die wir


