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ſchiedsbriefe zu Ende kam. Er verſiegelte ihn, und küßte die Aufſchrift. Er dachte an die Art, wie er dieſen ſeinen großmüthigen Vater verlaſſen; er dachte an das viele Gute, das ihm der ſtrenge alte Mann erwieſen.
Er hatte einen Blick in Amaliens Schlafzimmer ge⸗ worfen, als er nach Hauſe kam: ſie lag ruhig da, und ihre Augen ſchienen geſchloſſen, und er war froh, ſie ſchlafend zu finden. Vom Balle zurückgekehrt, hatte er gefunden, daß ſein Diener ſchon alle Anſtalten zum Ab⸗ marſche traf: der Diener hatte ſein Signal, daß er kein Geräuſch machen ſolle, verſtanden, und es gingen daher alle dieſe Vorbereitungen in aller Geſchwindigkeit und Stille vor ſich. Sollte er nun hineingehen und Amalien aufwecken, oder ſollte er ein Billet an ihren Bruder zu⸗ rücklaſſen, damit derſelbe ihr die Nachricht von dem Ab⸗ marſche mittheile? So dachte er. — Allein er ging hin⸗ ein, um ſie noch einmal zu ſehen.
Sie war wach geweſen, als er zum erſten Male in ihr Zimmer trat, hatte aber ihre Augen geſchloſſen ge⸗ halten, damit nicht einmal in ihrem Wachen für ihn ein Vorwurf liegen möchte. Als er aber ſo bald nach ihr ſelbſt zurückkam, ſo fühlte dieſes furchtſame Herzchen ſich etwas ruhiger; und ſich ihm zuwendend, während er leiſe aus dem Zimmer ging, war ſie leicht eingeſchlafen. George kam noch ein Mal herein, und zwar noch leiſer, und ſah ſie von Neuem an. Bei dem blaſſen Lichte der Nacht⸗ lampe konnte er ihr liebliches, blaſſes Geſicht ſehen — die purpurnen Augenlieder waren befranst, und geſchloſ⸗ ſen, und ein runder Arm lag, glatt und weiß, auf der Decke. Guter Gott! Wie rein war ſie; wie hold, wie zart, und wie freundlos! Und er, wie egoiſtiſch, wie bru⸗ tal, und wie ſchuldbeladen! Vom Gefühle ſeiner Schuld durchdrungen, und auf's Tieſſte beſchämt, ſtand er an dem Fußende des Bettes, und ſah die ſchlafende junge Frau an. Wie konnte er es wagen — wer war er, daß er für eine ſo reine Perſon Gebete zum Himmel auſſteigen


