Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2¹9

ſes hinabſtürzte, letzteres auf den Tiſch ſtellte, und am Arme ſeines Freundes eiligſt ſich entfernte.

„Der Feind iſt über die Sambre gegangen,“ ſagte Williamz „und unſer linker Flügel iſt mit dem Feinde bereits handgemein geworden. Komm' mit mir. In drei Stunden müſſen wir marſchiren.“

George ging mit Dobbin davon, und ſeine Nerven zitterten vor Auftegung bei der Nachricht, die er ſo lange erwartet, und die ihm jetzt doch ſo unerwartet kam. Was war jetzt die Liebe und die Intrigue? Er dachte, wäh⸗ rend er mit eiligen Schritten nach Hauſe ging, an tau⸗ ſend andere Dinge, als an dieſe — an ſein vergangenes Leben und ſeine künftigen Chancen — an das Schickſal, das ihn erwarten möchte — an die Frau, vielleicht an das Kind, von dem er, ohne es noch geſehen zu haben, im Begriffe war, zu ſcheiden. Ach, was hätte er darum gegeben, wenn er das an dieſem Abende Vorgefallene hätte ungeſchehen machen, und wenigſtens mit einem ruhigen Gewiſſen dem zarten und reinen Weſen hätte Lebewohl ſagen können, deſſen Liebe er ſo gering ange⸗ ſchlagen!

Er dachte über ſein kurzes eheliches Leben nach. In dieſen wenigen Wochen hatte er ſein kleines Kapital auf furchtbare Weiſe verſchwendet. Wie wild, wie unbeſorgt, wie rückſichtslos war er doch geweſen! Was hinterließ er ihr, wenn ihm ein Unglück zuſtieß 2 Wie unwürdig war er ihrer. Warum hatte er ſie geheirathet? Die Ehe war nicht der Stand, für den er paßte. Warum hatte er ſeinem Vater nicht gehorcht, der doch ſtets ſo großmü⸗ thig gegen ihn geweſen? Hoffnung, Reue, Ehrgeiz, Zärt⸗ lichkeit, und egoiſtiſches Bedauern erfüllten ſein Herz. Er ſetzte ſich an ſeinen Schreibtiſch, und ſchrieb an ſeinen Vater, wobei er ſich deſſen erinnerte, was er ſchon einmal früher, als es galt, einen Streit auszufechten, geſagt hatte. Die Morgendämmerung warf ſchon ihre zarten Streifen über den Himmel hin, als er mit dieſem Ab⸗