Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Folgen, die aus ihrer allzu weit getriebenen Autorität her⸗ vorgehen müſſen.

So trieb zum Beiſpiel Mrs. Bute, ohne Zweifel in der beſten Abſicht von der Welt, und während ſie ſelbſt dadurch aufgerieben wurde, daß ſie ſich um ihrer kranken Schwägerin willen Schlaf, Eſſen und freie Luft verſagte, ihre Ueberzeugung von der Krankheit der alten Dame ſo weit, daß ſie dieſelbe um ein Haar in's Grabh gebracht hätte. Eines Tages zählte ſie dem nie ausbleibenden Apotheker, Herrn Clump, alle von ihr gebrachten Opfer, ſo wie die Reſultate derſelben, her.

„Gewiß habe ich es, mein theurer Herr Clump,“ ſagte ſie, „an Anſtrengungen nicht fehlen laſſen, um unſere theure Patientin, die durch die Undankbarkeit ihres Neffen auf das Krankenlager geworfen worden, wieder herzuſtel⸗ len. Vor perſoͤnlichen Unannehmlichkeiten weiche ich nie zurück; ich weigere mich nie, mich aufzuopfern.“

„Ihre Hingebung, man muß es geſtehen, iſt bewun⸗ dernswürdig,“ ſagte Herr Clump, mit einer tiefen Ver⸗ beugung, „aber —“

„Seit meiner Ankunft habe ich kaum ein Mal meine Augen zugethan: Schlaf, Geſundheit, Alles opfere ich meinem Pflichtgefühle auf. Als mein armer James die Pocken hatte, durfte da ein Miethling ihn pflegen? Nein.“

„Sie thaten, was einer vortrefflichen Mutter, der beſten aller Mütter, ziemte, meine theure Madam; aber —“

„Als Familienmutter und als Frau eines engliſchen Geiſtlichen glaube ich demüthig, daß meine Grundſätze gut ſind,“ ſagte Mrs. Bute, mit einer Feierlichkeit der Ueberzeugung, die höchſt glücklich genannt werden mußte; „und ſo lange die Natur mich nicht im Stiche läßt, werde ich nie, nie, Herr Clump, den Poſten der Pflicht verlaſ⸗ ſen. Andere mögen dieſes graue, kummererfüllte Haupt auf das Krankenlager bringen (hier deutete Mrs. Bute mit einer Hand auf eines der kaffeefarbenen Toupets der