Teil eines Werkes 
5. bis 8. Bändchen (1850)
Entstehung
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klopfendem Herzen pflegte ſie wegzutrippeln, um ungeſehen dieſelben leſen zu können! Wenn dieſelben kalt waren, mit welcher Verkehrtheit veutete ſie dann dieſe liebevolle kleine Seele daran, bis ſie dieſelben zu warmen, Liebe athmenden umſtempelte. Wie wußte ſie den Schreiber zu entſchuldigen, wenn ſie kurz oder egoiſtiſch waren!

Ueber dieſen wenigen werthloſen Papieren brütete und brütete ſie nun. Sie lebte in ihrem vergangenen Daſein — jeder Brief ſchien einen Umſtand deſſelben zurückzu⸗ rufen. Wie gut erinnerte fie ſich aller! Sein Blick und ſein Ton, ſeine Kleidung, was er ſagte und wie er es ſagte — dieſe Reliquien und Erinnerungen waren Alles, was ihr auf der ganzen Welt geblieben, und das Geſchäft ihres Lebens war nun, den Leichnam der Liebe zu be⸗ wachen.

Dem Tode ſah ſie mit unausſprechlichem Verlangen entgegen. „Dann,“ dachte ſie, „werde ich ſtets bei ihm ſein, werde ich ſtets ihm folgen können.“ — Ich will hiemit ihr Benehmen nicht gelobt haben, und ebenſo wenig will ich es Miß Bullock als ein nachzuahmendes Muſter hinſtellen. Miß Bullock verſteht es beſſer, ihre Gefühle zu regeln, als dieſes arme kleine Geſchoͤpf. Miß Bullock würde ſich nie ſo compromittirt haben, wie die unkluge Amalie; würde ihre Liebe nicht für immer verpfändet, würde ihr Herz nicht weggebeichtet haben, um dafür Nichts zu erhalten, als ein ſprödes Verſprechen, das in einem Augenblicke gebrochen und werthlos war. Ein langes Liebesverhältniß iſt eine Aſſociation, wobei ein Theil ſein Wort halten oder brechen kann, in der aber vas ganze Kapital des andern ſteckt.

Seid daher vorſichtig, Ihr jungen Damen! Sehet wohl zu, wie Ihr Euch bindet! Scheuet Euch, von gan⸗ zem Herzen zu lieben; ſaget nie Alles, was Ihr fühlet, oder — was noch beſſer iſt, fühlet ſehr wenig! Faßt die Folgen in's Auge, denen Ihr Euch ausſetzt, wenn Ihr ſo vorſchnell ehrlich und vertrauensvoll ſeid und miß⸗