Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1850)
Entstehung
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und ſie iſt gewiß entlaufen, und hat dieſen Brief für Sie zurückgelaſſen, Miß!“

„Was!“ rief die Briggs, die ihren Kamm fallen ließ, ſo daß der dünne Büſchel ihres graulichen Haares, womit ſie eben beſchäftigt war, auf ihre Schultern her⸗ abſiel; „ſie iſt entlaufen! Miß Sharp iſt flüchtig gewor⸗ den! Was, was iſt das?“

Und ſie erbrach eifrig das nette Sigel, und verſchlang, wie man ſagt, den Inhalt des an ſie gerichteten Briefes.

„Meine theure Miß Briggs,“ ſo ſchrieb die Entflo⸗ hene, „Ihr gütiges Herz, wie ich kein anderes in dieſer Welt kenne, wird mich bemitleiden, mit mir ſympathiſi⸗ ren, und mich entſchuldigen. Weinend, betend, und ſeg⸗ nend, verlaſſe ich das Haus, wo die arme Waiſe ſtets freundlich und liebevoll aufgenommen war. Verpflichtun⸗ gen, die ſogar bindender ſind, als die, ſo ich gegen meine Wohlthäterin habe, rufen mich von hinnen. Die Pflicht ruft mich zu meinem Gatten. Ja, ich bin verhei⸗ rathet, mein Gatte befiehlt mir, die beſcheidene Heimath aufzuſuchen, die wir die unſrige nennen. Theuerſte Miß Briggs, theilen Sie dieſe Nachricht mei⸗ ner theuren, innig geliebten Freundin und Wohlthäterin mit: Ihre zarte Sympathie wird wohl wiſſen, wie es am Beſten zu thun iſt. Sagen Sie ihr, ich habe, ehe ich mich entfernt, ihr theures Kiſſen mit Thränen benetzt — jenes Kiſſen, das ich in Tagen der Krankheit ſo oft ſanf⸗ ter gemacht — an dem ich mich ſehne, abermals wachen zu dürfen. — Oh, mit welcher Freude werde ich nach dem theuren Park Lane zurückkommen! Wie ängſtlich harre ich der Antwort, die mein 6 hickſal beſiegeln wird! Als Sir Pitt ſo gut war, mir ſeine Hand anzu⸗ bieten, — eine Ehre, deren ich, wie meine viel geliebte Miß Crawley ſelbſt ſagte, würdig war (meine heißeſten Segenswünſche für ſie, daß ſie die arme Waiſe für wür⸗ dig erachtete, ihre Schweſter zu werden 1), — da

Der Jahrmarkt des Lebens. 1. 17