—
251
bezwingen verſtanden hatte, erwarten, daß er mit einem Male verſtändig werde, und ſich weigere, jeden Preis für die Befriedigung einer Luſt zu bezahlen, worauf er einmal ſeinen Kopf geſetzt? Würden die Leute nur vernünftige Heirathen machen, wie ſehr würde dadurch dem Anwach⸗ ſen der Bevölkerung Einhalt gethan werden!
Was mich betrifft, ſo ſcheint es mir, daß Herr Raw⸗ don's Heirath eine der ehrlichſten Handlungen war, die wir in irgend einem, in vorliegende Geſchichte gehorenden, Theile der Biographie vieſes Herrn zu berichten haben werden. Es wird Niemand ſagen wollen, es ſei unmänn⸗ lich, ſich von einem Frauenzimmer einnehmen zu laſſen, oder, wenn man einmal gefeſſelt iſt, daſſelbe zu heirathen; und die Bewunderung, das Entzücken, die Leidenſchaft, das Erſtaunen, das unbegrenzte Vertrauen, und die wahn⸗ ſinnige Anbetung, womit der große Kriegsmann die kleine Rebekka nach und nach anſehen lernte, waren Gefühle, welche wenigſtens in der Meinung der Damen ihm nicht allzu ſehr zu Unehre gereichen werden. Wenn ſie ſang, ſo durchbebte jede Note ſeine ſtumpfe Seele, und ſeinen koloſſalen Körper. Wenn ſie ſprach, ſo bot er alle Kraft ſeines Gehirns auf, um zuzuhören, und ſich zu verwun⸗ dern. War ſie in einer luſtigen Stimmung, ſo pflegte er über ihre Scherze hin und her zu denken, und darüber, eine halbe Stunde darauf, auf offener Straße in ein Ge⸗ lächter auszubrechen, zum großen Erſtaunen des Grooms, der im Tilbury neben ihm ſaß, oder des Kameraden, der mit ihm in Rotten Row ritt. Ihre Worte galten ihm als Orakel⸗Sprüche; ihre geringſten Handlungen waren für ihn durch eine unfehlbare Grazie und Weisheit be⸗ zeichnet. „Wie ſie fingt, wie ſie malt!“ dachte er. „Wie ſie zu Queen's Crawley die ſtets ausſchlagende Stute ritt! Auch ſagte er ihr wohl in vertraulichen Augen⸗ blicken: „Beim Zeus, Beck, Sie paſſen zum Oberkom⸗ mandanten, oder zum Erzbiſchof von Canterbury, beim Zeus!“ Kommt das ſo ſelten vor? Und ſehen wir nicht


