232 Herr Crawley war der Einzige geweſen, der an je⸗ nem ſo einſamen Krankenbette als Freund erſchienen war. Lady Crawley ging aus der Welt, geſtärkt durch Worte und Tröſtungen, wie er ſie ihr geben konnte. Viele Jahre hindurch war dieß die einzige Liebe, ſo ihr widerfahrenz die einzige Freundſchaft, ſo dieſe ſchwache, verlaſſene Seele einig maßen troͤſtete. Ihr Herz war ſchon lange vor ihrem Körper todt. Sie hatte es verkauft, um Sir Pitt Erawley's Frau zu werden. Auf dem Jahrmarkte des Lebens ſchließen Mütter und Töchter tagtäglich den nämlichen Handel ab. Bei ihrem Hinſcheiden war ihr Mann in London, beſchäftigt mit einigen ſeiner zahlloſen Pläne, und in Con⸗ ferenzen mit ſeinen zahlloſen Advokaten. Deſſen unge⸗ achtet hatte er ſo viel Zeit gefunden, Park Lane oft zu befuchen, und an Rebekka manche Schreiben zu richten, worin er ſie bat, ſie erſuchte, ihr befahl, zu ihren jungen Schülerinnen auf dem Lande zurückzukehren, die jetzt wäh⸗ rend der Krankheit ihrer Mutter ohne alle Aufſicht und Geſellſchaft ſeien. Allein Miß Crawley wollte ſchlech⸗ terdings Nichts von ihrer Abreiſe hören; denn obgleich in London keine Modedame zu finden war, die ihre Freunde leichter aufgab, ſobald ſie ihrer Geſellſchaft überdrüſſig war, und obgleich wenige unter dieſen Modedamen der⸗ ſelben bälder müde waren, ſo war doch, ſo lange ihr engoüment dauerte, ihre Anhänglichkeit ungeheuer groß, und ſie hing immer noch außerordentlich an Rebekka. Die Nachricht vom Tode der Lady Crawley rief in Miß Crawley's Familienzirkel nicht mehr Kummer her⸗ vor, und es wurde darüber nicht mehr geſprochen, als zu erwarten war. „Ich werde wohl die Geſellſchaft, die ich den 3. geben wollte, verſchieben müſſen,“ ſagte Miß Crawley, und ſetzte nach einer Pauſe hinzu: „Hoffentlich wird mein Bruder den Anſtand nicht ſo ſehr aus den Augen ſetzen, daß er ſich wieder verheirathet.“ „Wie groß wird nicht die Wuth Pitt's ſein, wenn
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