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Pflichten und die Langweile des Krankenzimmers nicht im Mindeſten angegriffen.
Erſt lange Zeit nachher ſagte ſie, wie mühſelig die ihr auferlegten Pflichten geweſen; welch' launiſche Patien⸗ tin die joviale alte Dame, wie zornig und wie ſchlaflos ſie war; wie ſehr dieſelbe ſich vor dem Tode fürchtete, welch' lange Nächte ſie ächzend da lag, und wie ſich ihre Angſt in Betreff der zukünftigen Welt, die ſie, im Zu⸗ ſtande der Geſundheit, völlig ignorirte, bis zum Wahnſinne ſteigerte. — O, ſchöne junge Leſerin, ſtelle Dir ein welt⸗ liches, ſelbſtſüchtiges, reizloſes, undankbares, aller Religion baares altes Weib vor, das ſich vor Schmerz und Angſt krümmt, und dabei ihr Toupet abgelegt hat. Stelle Dir dieſelbe vor, und lerne lieben und beten, ehe Du alt wirſt! Rebekka wachte an dieſem aller Reize baaren Bette mit unermüvlicher Geduld. Nichts entging ihr; und wie eine kluge Haushälterin wußte ſie Alles anzuwenden. In ſpäteren Jahren erzählte ſie manche nette Geſchichte aus der Zeit von Miß Crawley's Krankheit: — Geſchichten, welche die Dame durch ihre Schminke hindurch erroͤthen machten. Während der Krankheit war ſie nie übler Laune; ſtets war ſie auf den Füßen; ſie hatte einen leichten Schlaf, da ſie ein durchaus gutes Gewiſſen hatte; und ſtets — es mochte ſein, wann es wollte — konnte fie ein erquicken⸗ des Schläſchen machen. So kam es denn auch, daß in ihrem Aeußern nur wenige Spuren der Ermüdung zu bemerken waren. Ihr Geſicht mochte ein klein wenig bläſſer, die Ringe um ihre Augen etwas dunkler, denn gewoͤhnlich ſein; ſo oft ſie aber aus dem Krankenzimmer herauskam, lächelte ſie, ſah friſch, und in ihrem Schlafroͤckchen und ihrer Haube ſo nett und ſchmuck aus, wie in ihrem zier⸗ lichſten Abendkleide.
Dieſer Anſicht war wenigſtens der Kapitän, der in der That ganz wahnſinnig in ſie verliebt war. Der mit Widerhaken verſehene Pfeil der Liebe war in ſeine vicke, ungeſchlachte Haut eingedrungen. Ein ſechswöchiger Ver⸗


