Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1850)
Entstehung
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über die plötzliche Zärtlichkeit ihrer Freundin; und in der That würde in ſpäteren Tagen Miß Sharp ſich nie ſo weit vergeſſen haben, daß ſie Anſichten geäußert hätte, deren Unwahrheit ſo leicht zu entdecken geweſen wäre. Allein wir müſſen nicht vergeſſen, daß ſie erſt neunzehn Jahre alt, und in der Kunſt, ſich zu verſtellen, noch wenig bewandert iſt, das arme, unſchuldige Geſchoͤpf; und vaß ſie erſt Erfahrungen ſammelt. Die Bedeutung der obi⸗ gen Fragenreihe war, im Herzen dieſes geſcheidten jungen Mädchens überſetzt, einfach folgende: — „Wenn Herr Jo⸗ feph Sedley reich und unverheirathet iſt, warum ſollte ich ihn dann nicht heirathen? Ich habe zwar nur vierzehn Tage vor mir, aber ich kann es ja verſuchen.“

Und ſie beſchloß in der That bei ſich, dieſen lobens⸗ werthen Verſuch zu machen. Sie verdoppelte ihre Lieb⸗ koſungen und Schmeicheleien gegenüber von Amalien; ſie küßte das Halsband von weißem Carneol, als ſie es an⸗ legte, und betheuerte, daß ſie daſſelbe nie, nie weggeben würde. Als die zur Mittagsmahlzeit rufende Glocke er⸗ tönte, ging ſie, wie junge Damen zu thun pflegen, ihren Arm um die Taille ihrer Freundin geſchlungen, d% Treppe hinab. Sie war ſo aufgeregt, als ſie vor der Thüre des Geſellſchaftszimmers anlangten, daß ſie kaum ſo viel Muth finden konnte, um hineinzutreten.. „Leg' doch Deine Hand auf mein Herz und fühle, wie es ſchlägt, Liebe,“ ſagte ſie zu ihrer Freundin.

„Mein, es ſchlägt nicht,“ ſagte Amalie, „komm' her⸗ ein und fürchte Dich nicht. Papa wird Dir Nichts thun.“