26
lung mit ihrem Gewiſſen in Einklang; der Contrakt wurde als erloſchen erklärt, und die Zöglingin war frei. Der Kampf, den wir hier in wenigen Zeilen beſchrieben haben, dauerte natürlich einige Monate. Und da Miß Sedley, welche nun, ſiebzehn Jahre alt, auf dem Punkte ſtand, die Schule zu verlaſſen, Miß Sharp zugethan war, („dieß iſt ver einzige Punkt in Amaliens Aufführung,“ ſagte die Minerva, „der ihrer Lehrerin nicht ganz gefallen hat,“) ſo wurde Miß Sharp von ihrer Freundin eingeladen, eine Woche bei ihr, in ihrem Hauſe, zuzubringen, ehe ſie ihre Stelle als Erzieherin in einem Privathauſe antrat.
Auf ſolche Weiſe traten die zwei jungen Damen in die Welt ein. Für Amalie war es eine ganz neue, friſche, glänzende Welt, mit all' ihrem Zauber und ihrem Blü⸗ thenſchmucke. Sie war aber nicht ganz neu für Rebekka — (in der That ſpielte, wenn die Wahrheit in Betreff der Criſp'ſchen Angelegenheit geſagt werden ſoll, das Ku⸗ chenweib bei Jemand, der die Sache wieder einem Andern als unzweifelhaft hinſtellte, darauf an, daß zwiſchen Herrn Criſp und Miß Sharp weit mehr vorgegangen ſei, als im Publikum bekannt geworden, und daß ſein Brief als Antwort auf einen andern gedient habe). Wer vermag aber zu ſagen, wie die Sachen ſich wirklich verhalten ha⸗ ben? Jedenfalls trat Rebekka aufs Neue in die Welt ein, wenn es auch nicht das erſte Mal war.
Bis die jungen Damen den Schlagbaum auf der Kenſingtoner Chauſſee erreichten, hatte Amalie ihre Ge⸗ fährtinnen zwar nicht vergeſſen, aber doch ihre Thränen getrocknet, und war in ihrem Entzücken nicht wenig er⸗ röthet, als ein junger Offizier von der Leibgarde ſie im WVorbeireiten erſpähete und ſagte: „Ein verdammt ſchönes Mädchen, bei meiner Ehre!“ Und ehe noch der Wagen im Ruſſell Square ankam, war gar viel geſprochen wor⸗ den über die Vorſtellungen bei Hofe, und ob junge Damen bei ſolchen Anläſſen Puder und Reifröcke trügen, und ob ſie dieſe Ehre haben würde; auf jeden Fall kam ſie auf


