Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1850)
Entstehung
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bis daher nicht viel die Heuchlerin geſpielt; nun aber lehrte es ſie ihre Einſamkeit. Nie war ſie in weiblicher Geſellſchaft geweſen: ihr Vater war, bei allen ſeinen Aus⸗ ſchweifungen, ein Mann von Talent; ſeine Unterhaltung war ihr tauſend Mal angenehmer, als das Geplauder von ſolchen Perſonen ihres eigenen Geſchlechts, mit denen ſie jetzt zuſammen kam. Die pompoͤſe Eitelkeit der alten Schullehrerin, vie närriſche Gutmüthigkeit ihrer Schweſter, das einfältige Geſchwätz und die Skandalſucht der älteren Mädvchen, und der kalte Anſtand der Lehrerinnen langweil⸗ ten ſie in gleichem Maße; und ſie hattey das unglückliche Geſchöpf, kein ſanftes, mütterliches Herz, ſonſt hätte wohl das Geplauder der jüngeren Kinder, mit denen ſie es hauptſächlich zu thun hatte, ſie beſänftigt und intereſſirt; aber ſie lebte zwei Jahre unter ihnen, und auch nicht einem derſelben that es leid, daß ſie fortkam. Die ſanfte, gute Amalie Sedley war die einzige Perſon, an die ſie ſich einiger Maßen anzuſchließen vermochte; und wer konnte und mußte das nicht?

Die Zufriedenheit — die beſſere Stellung der jungen Mädchen um ſie her erfüllten Rebekka mit unausſprechlichen Qualen, die ihren Grund im Neide hatten. „Wie vor⸗ nehm doch das Mädchen thut, weil ſie die Enkelin eines Grafen iſt,“ ſagte ſie von der Einen. „Wie ſie doch vor der Kreolin dort kriechen, wegen ihrer hundert tauſend Pfund! Ich bin tanſend Mal geſchickter und bezaubern⸗ der, als dieſes Geſchöpf, trotz all' ihres Reichthums. Ich bin nicht minder gut erzogen, als die Enkelin des Grafen, trotz all' ihres ſchönen Stammbaumes: und doch beachtet mich hier Niemand. Und doch, gaben nicht, als ich noch bei meinem Vater war, die Männer ihre luſtig⸗ ſten Bälle und Partien auf, um den Abend in meiner Geſellſchaft zuzubringen?“ Auf jeden Fall wollte ſie aus dem Gefängniſſe ſich befreien, worin ſie ſich befand, und nun begann ſie ſelbſtſtändig zu handeln, und zum