Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1850)
Entstehung
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gewiſſen Geldſumme verbunden geweſen. Aber nie konnte ſie ganz den Betheuerungen der jungen Dame Glauben ſchenken, daß ſie, außer vor ihren eigenen Augen, d. h. bei den zwei Gelegenheiten, wo ſie ihn beim Thee getroffen, mit Herrn Criſp auch nie ein Wort gewechſelt habe.

Neben den vielen großen und vollkommen ausgebil⸗ deten jungen Damen in der Anſtalt ſah Rebekka Sharp wie ein Kind aus. Aber ſie hatte die traurige Frühreife der Armuth. Mit manchem ungeſtüm mahnenden Gläu⸗ biger hatte ſie geſprochen, und ihn von der Thüre ihres Vaters weggeſchwatzt; manchen Gewerbsmann hatte ſie durch ihre Schmeicheleien wieder in gute Laune verſetzt, und denſelben vermocht, neuen Credit, und war es auch nur für ein Mittagseſſen, zu geben. Gewöhnlich ſaß ſie bei ihrem Vater, der auf ihren Witz ſehr ſtolz war, im Wirthshauſe, und da hörte ſie die Reden mancher ſeiner wilden Genoſſen — die ſich oft für das Ohr eines Mäd⸗ chens nur ſchlecht eigneten. Allein ſie war, wie ſie ſelbſt ſagte, nie ein Kind geweſen; ſeit ihrem achten Jahre war ſie ein Weib. Ach, warum ließ Miß Pinkerton einen ſo gefährlichen Vogel in ihren Käfig hinein!

Eine Thatſache iſt, daß die alte Dame Rebekka für das ſanftmüthigſte Geſchoͤpf von der Welt hielt, ſo be⸗ wundernswürdig pflegte Letztere, wenn ihr Vater ſie mit ſich nach Chiswick nahm, die Rolle der Ingénue *) zu ſpielen. Sie hielt ſie für ein beſcheidenes und unſchuldi⸗ ges Mädchen, und noch ein Jahr vor dem Arrangement, wodurch Rebekka in ihr Haus aufgenommen wurde, und als Letztere bereits ſechzehn Jahre alt war, beſchenkte ſie Miß Pinkerton majeſtätiſch und unter Beifügung einer kleinen Rede mit einer Puppe, die, im Vorbeigehen geſagt, das confiscirte Eigenthum der Miß Swindle war, welche man ertappt hatte, wie ſie während der Schulſtunden da⸗ mit ſpielte. Wie lachten der Vater und die Tochter, als

) Junge, unſchuldige, oder naive Perſon.