Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

niederfallen ſehen, nahm das Geſicht der jungen Dame, auf dem man bis daher einen faſt bleifarbigen Ausdruck des Haſſes bemerkt hatte, ein Lächeln an, das vielleicht Saum lieblicher war, und ſie ſank mit leichterem Herzen in die Kutſche zurück, mit den Worten: „So viel, was das Woͤrterbuch betrifft; und nun bin ich, gottlob! endlich aus Chiswick heraus.“

Miß Sedley war über den Akt der Herausforderung faſt ebenſo beſtürzt, wie Miß Jemima; denn es iſt zu be⸗ denken, daß ſie erſt vor einer Minute die Schule verlaſſen hatte, und daß die Eindrücke von ſechs Jahren in einem ſo kurzen Zeitraume nicht vertilgt werden. Ja, bei einigen Perſonen dauern dieſe Schrecken und dieſe Ehrfurcht der Jugend immer und immer. Ich kenne z. B. einen alten achtundſechszigjährigen Herrn, der eines Morgens beim Frühſtücke in ſehr unruhiger Miene zu mir ſagte: „Ich habe in vergangener Nacht geträumt, daß Doktor Raine mich geprügelt.“ Die Phantaſie hatte ihn im Laufe jenes Abends um fünfundfünfzig Jahre rückwärts geführt. Dok⸗ tor Raine und ſein Stock waren daher für ihn in einem Alter von achtundſechszig Jahren innerlich ebenſo ſehr Ge⸗ genſtände der Furcht, als früher in einem Alter von drei⸗ zehn. Wäre nun der Doktor mit einer großen Ruthe aus Birkenreis ihm ſogar in ſeinen alten Tagen, in ſeinem achtundſechzigſten Lebensjahre erſchienen, und hätte er ihm mit furchtbarer Stimme zugerufen: „Kerl, zieh' die Hoſen herunter!“ .. — Nun, nun, Miß Sedley war wegen dieſer

ſubordinationswidrigen Handlung ungemein unruhig. „Wie konnteſt Du doch ſo Etwas thun, Rebekka?“ ſagte ſie endlich nach einer Pauſe.

„Wie, denkſt Du denn, Miß Pinkerton werde her⸗

auskommen, um mich wieder in das ſchwarze Loch zu

ſchicken?“ ſagte Rebekka lochend.

„Nein; aber —“ „Das ganze Haus iſt mir verhaßt,“ fuhr Miß Sharp in ihrer Wuth fort. „Hoffentlich bekomme ich es nie

——