Teil eines Werkes 
[2] (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

481

keiner Weiſe die zornigen Gefühle des Obriſten gegen den Menſchen, welcher die Veranlaſſung, wenn auch nicht die Urſache des Uebels geweſen war.

Frank ſetzte ſich im Hofraume auf eine ſteinerne Bank, und ſchlief wirklich ein, während Esmond im Hofe auf⸗ und abſchritt, und bei ſich berathſchlagte, was nun geſchehen ſollte. Was lag daran, wie viel oder wie wenig zwiſchen dem Prinzen und dem armen, treuloſen Mädchen vorgegangen war? Sie waren viel⸗ leicht noch zu rechter Zeit angekommen, um deren Per⸗ ſon, nicht aber, um deren Seele zu retten: denn hatte ſie nicht den jungen Prinzen aufgefordert, zu ihr zu kommen? Hatte ſie nicht Bediente für ihre Zwecke ge⸗ wonnen, hatte ſie nicht andere fortgeſchickt, um mit ihm, dem Prinzen, communiciren zu können? Das ver⸗ rätheriſche Herz in ihrem Innern hatte ſich ergeben, wenn auch der Platz noch nicht gerade in Feindes Hän⸗ den war; und um einen ſolchen Platz zu gewinnen, hatte er ſich ſein Leben lang abgekämpft und aufge⸗ opfert; und dieſen Platz wollte ſie übergeben gegen eine Adelskrone oder gegen einen Wink von dem Auge eines Prinzen.

Nachdem er ſo dieſes Alles bei ſich überlegt, rüt⸗ telte er den armen Frank aus dem Schlafe auf. Die⸗ ſer erhob ſich gähnend, und ſagte, er habe von Clotil⸗ den geträumt.

„Du mußt mich unterſtützen,“ ſpricht Esmond, „in dem, was ich nun thun werde. Ich habe ſo eben gedacht, der Schurke dort könne angeſtellt ſein, um dieſe Fabel zu erzählen, und es könne Alles erlogen ſein. Iſt das nun der Fall, ſo werden wir es von dem Gent⸗ leman herausbringen, der dort ſchläft. Sieh doch ein⸗ mal nach, ob die zu my Lady's Zimmern führende Thüre (— wir nannten ſo die Zimmer auf der nord⸗ weſtlichen Ecke des Hauſes —), — ſieh' doch nach, ob die Thüre verriegelt iſt, wie er ſagt.“

Henry Esmond. U. 31