39
wärtigen Eigenſchaften unſerer Menſchennatur in gleich demüthiger Weiſe anſchauen. Es ſind dieſelben ganz conſequent und natürlich, und ſowohl unſere Freund⸗ lichkeit, als unſere Gemeinheit menſchlich.
Man kann alſo die Sache entweder ſo anſehen, als habe die ältere der beiden Vicomteſſen der jüngeren ihre Schönheit verziehen, als letztere von ihrer Friſche vielleicht Etwas verloren, — und als habe ſie die meiſten ihrer Beſchwerden und Ausſtellungen vergeſſen, als der Gegenſtand derſelben aufgehört, glücklich und beneidenswerth zu ſein; — oder aber können wir in wohlwolleuderer Weiſe ſagen (— obgleich es, man mag uun rechnen, wie man will, auf daſſelbe hinauskommt, und das Facit das nämliche bleibt —), daß Iſabella ihre gegen Rachel bewieſene Unfreundlichkeit bereute, als Rachel unglücklich geweſen, und als ſie, ſich für die arme Wittwe und deren Kinder intereſſirend, denſelben ein Obdach gab, und ihnen ihre Freundſchaft ſchenkte.
Die beiden Damen waren vollkommen gute Freun⸗ dinnen, ſo lange die ſchwächere eine Beſchützerin brauchte. Ehe Esmond ſeinen erſten Feldzug machte, ſtand ſeine Gebieterin immer noch auf freundſchaftlichem Fuße (— obgleich ſie natürlich nur ein armes Rotznäschen und eine Frau war, der offenbar aller Charakter und Muth abging, und ſo weiter, und ſo weiter —) mit der älteren Lady Caſtlewvod; und was Miſtreß Beatrix betrifft, ſo ließ man ſie für eine Schönheit paſſiren.
Allein zwiſchen dem erſten und dem zweiten Jahre der Regierung der Königin Anna hatten, nach der Be⸗ ſchreibung der älteren Dame wenigſtens zu ſchließen, die beiden jüngeren Ladys ſich gar nicht zu ihrem Vor⸗ theil verändert. Rachel, Vicomteſſe Caſtlewood, hatte ein Geſicht, das um kein Haar beſſer war, als ein Kloß, und Miſtreß Beatrix war eine ganz ordinäre Perſon geworden, und verlor alle ihre Schönheit. Der kleine Lord Blandford — ſie wollte ihn nie Lord


