war nun, in ihrer Weiſe, gütig gegen ihn. Und nun da jener linke Schrägebalken nicht mehr Esmonds Ge⸗ danken beſchäftigte, und da jene geheime Schande ihren Schatten nicht mehr über ſein Gemüth warf, war es ihm angenehm, Familienbande zu fühlen und anzuer⸗ fennen. Vielleicht war er insgeheim ſtolz auf das Opfer, das er gebracht, und bei dem Gedanken, daß er, Esmond, wirklich der Chef ſeines Hauſes ſei, und einzig und allein durch ſeine Großmuth verhindert werde, ſeine Anſprüche geltend zu machen.
Er hatte wenigſtens ſeit dem Augenblicke, wo ihm ſein armer, mit dem Tode ringender Beſchützer das bewußte Geheimniß mitgetheilt, ſich von einem Unab⸗ hängigkeitsſinn beſeelt gefühlt, den er bis daher nie gekannt, und der ihn auch nie mehr verließ. Er nannte alſo zwar ſeine alte Tante Marquiſin, aber mit einer Miene, wie wenn er, der ſie ſo anredete, der Marquis von Esmond wäre.
Las ſie vielleicht in den Angen des jungen Gent⸗ leman, die jetzt die ihrigen oder deren verattete Auto⸗ rität nicht mehr fürchteten, daß er in Betreff ſeiner Geburt um die Wahrheit wiſſe, oder ſie doch vermuthe? Si r, als ſie ſein total verändertes Benehmen ſah, erraſchung zuſammen; auch hatte daſſelbe wirk⸗ gar Nichts gemein mit dem Benehmen und mit rHaltung des Cambridger Studenten, der ihr vor zwei Jahren einen Beſuch gemacht, und den ſie mit fünf Goldſtücken hatte gehen laſſen, welche ſie ihm durch ihren Kammerdiener überſchickte. Sie muſterte ihn, zit⸗ terte dann ein Bischen mehr, als es vielleicht ihre Ge⸗ wohnheit war, und ſagte in erſchrockenem Tone: „Will⸗ kommen, Couſin!“
Sein Entſchluß war, wie ſchon weiter oben geſagt worden, urſprünglich ein ganz anderer geweſen: er hatte ſich nämlich vorgenommen gehabt, ſich ſo zu benehmen, wie wenn das Geheimniß ſeiner Geburt ihm nicht be⸗


