dann kam ihre Kammerfran; dann eine kleine Meute bellender und herumſpringender Schvoßhündchen, — und dann endlich die geſtrenge Jägerin ſelbſt.
Die Vicomteſſe verbreitete, wie gewöhnlich, ein reiches Maß von Wohlgerüchen um ſich her. Esmond erinnerte ſich noch aus ſeiner Jugendzeit an den reichen Moſchusgeruch, den ſeine Stiefmutter (— denn ſo kann ſie wohl genannt werden — von ſich gab. Und gleich wie, gegen Sonnenuntergang, der Himmel immer röther wird, alſo errötheten auch, bei zunehmendem Alter, die Wangen der verwittweten Lady immer mehr. Ihr Ge⸗ ſicht hatte eine hochrothe Farbe, die, neben der weißen Schminke, ſich natürlich noch ſtärker hervorhob. Sie trug noch die Ringeln, welche zu König Karl's Zeilen in der Mode geweſen waren, während die Damen zu König William's Zeiten einen Kopfputz trugen ähnlich den Thürmen der Cybele; ihre Augen glißerten aus dieſer wunderlichen Maſſe von Schminke, Farben und Pomaden hervor. So beſchaffen war my Lady Vis⸗ counteß, die Wittwe von Mr. Esmond's Vater.
Er machte eine tiefe Verbeugung, wie ihre Würde und Verwandtſchaft es verdiente, und trat mit größter Gravität auf ſie zu, und küßte wieder ein Mal die Hand, auf deren zitternden Knöcheln ein Paar Dutzend Ringe glitzerten: — dabei erinnerte er ſich an die al Zeiten, wo dieſe zitternde Hand ihn hatte zittern machen.
„Frau Marquiſin,“ ſagte Mr. Esmond, ſich ver⸗ beugend, und mit einem Knie auf dem Boden, „darf ich bloß die Ehre haben, die Hand zu küſſen?“
Denn es muß hier bemerkt werden, daß neben dem unterdrückten Lachen, das der Anblick einer ſo erſtaun⸗ lichen alten Figur bei dem jungen Manne wohl hervor⸗ rufen mußte, auch einige Zuneigung, ſowie die Bande des Blutes thätig wären. Sie war die Frau ſeines Vaters geweſen, und war die Tochter ſeines Großva⸗ ters. Sie hatte ihn in früheren Zeiten geduldet, und


