307
andern das Leben, oder einer Dame die Ehre rauben, ohne eine Strafe befürchten zu müſſen? Ich nehme mein Kind, trete vor den Thron, und flehe, auf den Knien liegend, um Gerechtigkeit, — und der König will Nichts davon wiſſen. Der König! Er iſt nicht mein König, — und nie ſoll und wird er es ſein. Auch er hat den König, ſeinen Schwiegervater, — den wahren König, — des Thrones beraubt, und auch er iſt un⸗ beſtraft geblieben, wie es bei den Großen überhaupt der Fall iſt.“
„Ich wollte nun zu Deinen Gunſten Etwas ſagen,“ fuhr Mr. Steele fort, und fiel mit folgenden Worten ein: Es gab wenigſtens einen Menſchen, Madame, der ſeine eigene Bruſt gerne zwiſchen das Schwert Ihres Gat⸗ ten und my Lord Mohun's geſtellt haben würde. Ihr armer, junger Verwandter, Harry Esmond, hat mir geſagt, daß er es verſucht habe, dem Streite eine andere Richtung zu geben, ſo daß er ſich ſelbſt mit my Lord Mohun hätte ſchlagen müſſen.“
„Ah, er hat Sie alſo hergeſchickt?“ fragte die Dame (— fuhr Mr. Steele fort —), mit äußerſt ſtren⸗ ger Miene und mit vieler Würde aufſtehend. Ich hatte geglaubt, die Prinzeſſin hätte Sie hergeſchickt. Ich habe Mr. Esmond in ſeinem Gefängniſſe geſehen, und habe ihm Lebewohl geſagt. Er iſt es, der das Unglück ein Haus gebracht hat. Er hätte es nie betreten ſollen.“
Madame, Madame, er iſt nicht zu tadeln, wandte ich ein, fuhr Mr. Steele fort. „Und tadle ich ihn denn bei Ihnen, Sir? fragte die Wittwe. „Wenn er es iſt, der Sie hierher geſchickt hat, ſo ſagen Sie ihm nur, daß ich mich da Raths erholt, wo“ — ſie ſprach jetzt mit todesblaſſer Wange und mit gebrochener Stimme — „wo Alle ſich Raths erholen können, die da wollen; — und daß dieſer Rath will, daß ich mich von ihm trenne und ihn nie mehr ſehe. Wir haben im Gefäng⸗


