Teil eines Werkes 
[1] (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

284

ſehr übermaunten ihn ſeine Gemüthsbewegungen, als er ſie ſah —).

Sie trat ein wenig vor, blieb aber bald wieder ſchweigend und zitternd ſtehen, und ſah ihn an, wäh⸗ rend ihre weißen Händchen in einander geſchlungen waren, und ihre Lippen zitterten. Ihre Augen waren hohl, und was den ganzen tragiſchen Aufzug vollendete, war ihr Anzug von tiefſtem Schwarz.

„Nicht aber um mir Vorwürfe zu machen,“ fuhr er nach einer Pauſe fort. „Mein Kummer iſt ſchon ſo, wie er iſt, groß genng.“

„Ziehen Sie Ihre Hand zurück: — rühren Sie mich nicht damit an!“ rief ſie. „Sehen Sie her! Es iſt Blut daran!“

„Ich wollte, ſie hätten es alles genommen,“ ſprach Esmond, wenn Sie gegen mich unfreundlich ſind.“

„Wo iſt mein Gatte?“ hob ſie nun an. „Geben Sie mir meinen Gatten zurück, Henry! Warum waren Sie um Mitternacht dabei, und ließen ihn ermorden? Warum entkam der Verräther, der es that? Sie, der Vorkämpfer Ihres Hauſes, der ſich erbot, für uns zu ſterben? Sie, den er liebte, und dem er vertraute, und dem ich ihn anvertraut hatte; — Sie, der Hingebung und Dankbarkeit gelobte, und dem ich glaube, — ja, dem ich glaubte, — warum ſind Sie hier, und warum iſt mein edler Francis im Grabe? Warum kamen Sie auch zu uns? Sie haben uns bloß Schmerz und Kum⸗ mer gebracht: und Reue, bittere, bittere Reue, als Er⸗ ſatz für unſere Liebe und Freundſchaft.

„Habe ich je ein Unrecht an Ihnen begangen, Henry? Sie waren bloß ein armes Waiſenkind, als ich Sie zum erſten Male ſah, — als er, der ſo gut, und edel, und vertrauensvoll war, Sie zum erſten Male ſah. Er würde Sie weggeſchickt haben, hätte ich, als ein albernes Weib, das ich bin, ihn nicht gebeten, Sie da bleiben zu laſſen.