Teil eines Werkes 
[1] (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

52

wirklich ſehr reich verziert im Geſchmack der Zeit der Kö⸗ nigin Eliſabeth: an beiden Enden waren große gemalte Fenſter und prächtige gewirkte Tapeten, welchen die durch das farbige Glas ſcheinende Sonne tanſend ver⸗ ſchiedene Nuancen gab; — und hier ſaß neben dem Feuer, in vollem Staate, eine Dame, zu der der Prieſter Harry hinaufführte, — Harry, der durch ihre Erſchei⸗ nung in das größte Erſtaunen verſetzt ward.

Das Geſicht von my Lady Viscounteß war mit weißer und rother Schminke bis an die Augen hinauf beſchmiert, denen beſagte Schminke einen ganz unirdi⸗ ſchen Glanz verlieh: auf ihrem Haupte hatte ſie einen wahren Thurm von Spitzen, unter denen ſich ein Buſch ſchwarzer Locken — wohlverſtanden, erborgter Locken — befand, — ſo daß es kein Wunder war, wenn Harry Esmond ſcheu zurückwich, als er ihr zum erſten Male vorgeſtellt wurde, bei welch feierlicher Einführnng der freundliche Prieſter als Ceremonienmeiſter thätig war.

Der Knabe alſo ſtarrte ſie mit Augen an, die faſt ſo groß waren, wie ihre eigenen, wie er die Schauſpie⸗ lerin angeſtarrt hatte, welche die böſe Tragödienkönigin ſpielte, als die Schauſpieler auf die Meſſe von Ealing kamen.

My Lady Viscounteß ſaß in einem großen Stuhle neben der Ecke des Kamins; in ihrem Schooße lag ein Hündchen, das ganz wüthend bellte; auf einem Tiſchchen neben ihr lag die Schnupftabaksdoſe Ihret Ladyſchaft, ſowie ein Schächtelchen, worin ſich Zucker⸗ erbſen und Zuckermandeln befanden. Sie trug ein Kleid von ſchwarzem Sammt und einen Unterrock von geflammtem Brokat. Sie hatte an ihren Fingern eben ſo viele Ringe, wie die alte Frau von Banbury Croß; und ziemlich kleine Füße, die ſie gerne ſehen ließ, mit

roßen goldenen Zwickeln an den Strümpfen, und wei⸗ e Pantoffeln mit rothen Abſätzen. Und ein ſtarker Moſchusgeruch entwich ihren Kleidern, ſo oft ſie ſich