konnte, und in Allem ſeinen niedrigen Stand fuͤhlen mußte.
Wer von uns, der mit dem ſchoͤnen Geſchlechte bekannt iſt, hat nicht dieſe Neigung bei den Frauen bemerkt, und geſehen, wie an ihrem Tiſche die Wei⸗ ſeſten im Rathe ſo oft fuͤr Narren gehalten werden, und die Tapferſten auf dem Schlachtfelde ihrer Spin⸗ del gegenuͤber Feiglinge ſind.
„Wo Du mit der Juͤdin im Thurme einge ſchloſſen warſt,“ war ebenfalls eine Bemer⸗ kung, deren Bedeutſamkeit Wilfried tief fuͤhlte und die der Leſer wahrſcheinlich auch verſtehen wird. Als die Tochter Iſaaks von York — das arme ſanfte Opfer! — ihr Diamanten und Rubinen brachte, ſie demuͤthig der ſiegenden Rowena zu Fuͤßen legte und in fremde Lande zog, um die Kranken ihres Volks zu pflegen, und uͤber der nutzloſen Leidenſchaft zu bruͤten, welche ihr reines Herz verzehrte, haͤtte man denken ſollen, daß das Herz der koͤniglichen Dame vor ſolcher Schoͤnheit und Demuth ſchmelzen und ſie im Augen⸗ blicke ihres Sieges großmuͤthig ſein wuͤrde.
Habt ihr aber je geſehen, daß ein rechtſchaffenes Frauenzimmer einer Andern verzieh, daß es ſchoͤner und liebenswuͤrdiger war als ſie ſelbſt?
Allerdings ſagte Lady Rowena, wie der fruhere Theil dieſer Geſchichte erzaͤhlt, mit ungeheurer Groß⸗ muth zu dem juͤdiſchen Maͤdchen: „Komm und lebe als Schweſter bei mir!“ aber Rebecka wußte in ihrem


