Teil eines Werkes 
4. Band (1869)
Entstehung
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„Durchlaucht“, ſagte der Rheingraf, „Sie haben ſchon als Kind dem Hofe oft Gelegenheit gegeben, die Stärke Ihres Charakters zu bewundern. Auf dieſe Stärke baue ich jetzt, wenn ich ohne längeres Zögern Ihnen eine Mittheilung mache, die Ihnen nicht vor⸗ enthalten bleiben kann. Sie ſind für das Kloſter be⸗ ſtimmt. In dem Schloſſe, zu dem ich Sie jetzt führe, werden Sie noch einige Wochen für Ihre fromme Be⸗ ſtimmung vorbereitet werden. Alsdann werde ich die Ehre haben, Sie zu dem Kloſter, dem Sie angehören werden, zu geleiten.“

„Wer hat ſo über mich beſtimmt?“ fragte Sabina.

„Ein Wille, der ſich nicht mehr ändern kann.“

„Der Wille eines Todten?“

„Des Kurfürſten?“

Der Rheingraf antwortete nicht.

Sabina, das Fürſtenkind, fragte nicht weiter.

Sie zeigte von dieſem Augenblicke an nur jene Ruhe, jene Ergebung und jene Hoheit, die ſie auch ſpäter nie wieder verließen.

Vier Wochen nachher brachte der Rheingraf ſie in

das Annunciatenkloſter zu Waldenbrück.

Sie hatte nie wieder von ihrer Mutter, nie wieder

von den beiden Brüdern etwas erfahren. Temme, Die Erbgrafen. IV. 10