Teil eines Werkes 
4. Band (1869)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Es war Alles ſo plötzlich, ſo gewaltſam, ſo ſchnell gekommen. Als ſie ſich hätte beſinnen können, war es vorbei.

Sie ließ ſich willenlos an dem Arme des kalten Mannes fortführen.

„Mutter! Meine Mutter!“ rief ſie zurück, in dem Augenblicke, da ſie aus dem Gemache gezogen wurde.

Dann vergingen ihr faſt die Sinne.

Ihr Begleiter mußte ſie mehr tragen als führen.

Er brachte ſie in den Wagen, fuhr mit ihr in die Dunkelheit der Nacht hinein.

In dem Wagen, in der Finſterniß erhielt ſie das Bewußtſein zurück.

Sie hatte an einem Tage, in einer Stunde Alles verloren, den Geliebten, die in derſelben Minute wieder⸗ gefundene Mutter.

Ein wilder Schmerz wollte ihr die Bruſt zerreißen.

Aber ſie hatte eine große, ſtarke Seele, ſchon da⸗ mals, das kaum ſechzehnjährige Kind. Sie wehrte dem Schmerz, ſie bezwang ihn.

„Wohin bringen Sie mich?“ fragte ſie den Rhein⸗ grafen.

„Zunächſt zu einem der kurfürſtlichen Schlöſſer“, war die Antwort.

„Und dann?“