weniger etwas vergeben, je mehr wir allein ſtehen und auf uns ſelbſt angewieſen ſind. Du wirſt uns vertrauen, gnädigſte Mutter.“
„Auch den Anſtand und was Ihr Eurer hohen Stel⸗ lung im Leben ſchuldig ſeid, werdet Ihr niemals aus den Augen ſetzen!“
„Niemals, wo es ſein muß, gnädigſte Mutter.“
Der Kurfürſt von Köln hatte ſeine Reſidenz be⸗ kanntlich nicht in Köln, ſondern abwechſelnd in einem ſeiner vielen Schlöſſer, die er mit aller ſeiner Liebe zur Pracht und Neigung zum Luxus in Bonn, in Pop⸗ pelsdorf, in Brühl und auf der Auguſtburg hatte neu aufbauen oder reſtauriren laſſen; am liebſten hielt er ſich in Poppelsdorf bei Bonn auf.
Die beiden jungen Grafen führte ihr Weg über
Köln. Hier wollten ſie ſich Equipage und Dienerſchaft verſchaffen, um, wie ſie ihrer Mutter verſprochen hatten, ihrem Range gemäß am Hofe des Kurfürſten auf⸗ zutreten.
Sie fanden die Stadt Köln in tiefer Trauer.
Am Tage vorher, am 6. April 1761, war der Kurfürſt Elemens Auguſt geſtorben, den man den Groß⸗ müthigen nannte.
Die beiden Brüder hatten in Köln Vorbereitungen für ihr Erſcheinen am Hofe zu Bonn nicht zu treffen.


