146
hatten ſeine Trugkünſte jetzt ſogar den frommen Bruder ſelbſt in ſein frommes Kloſter heimgeſchickt, in grauer Jacke, mit dem eingeknickten, breitkrempigen Hute und mit dem großen Vogelkaſten auf dem Rücken. So hatte der Bruder Servatius in ſein Kloſter zurückkehren müſſen, zum Glück in dunkler Nacht, wo Niemand ihn ſah und die ſchlafenden Vögel ruhig waren. Und wo war ſein Mönchshabit unterdeß? Welche Streiche und Verbrechen übte der freche Betrüger unter der frommen Maske aus? In die Augen des Bruders war kein Schlaf gekommen. Ohne ſein Habit durfte er nicht zur Mette gehen. Er ſaß bei dem Bruder Pförtner in deſſen Zelle. Dort hing auch der große Kaſten mit den Vögeln. Man mußte immerhin annehmen, daß ſie, eine theure Waare, würden abgeholt werden. Darum waren ſie gleich vorn am Eingange des Kloſters geblieben. Da⸗ rum hatte ſich auch wohl der Bruder Servatius, ſobald die Knarre zur Frühmette rief, in der Pförtnerzelle ein⸗ gefunden, allerdings nicht mit ſehr chriſtlichen Gedanken. „Seht, Bruder Pförtner“ ſagte er, „ich habe ein paar kräftige Fäuſte, die was Ehrliches in der Welt gearbeitet haben. Eine luſtigere Arbeit hätten ſie aber noch nicht gehabt, als wenn jetzt der Spitbube käme, der mir mein Habit geſtohlen hat.“


