141
Schüchternheit nicht, Ihre nähere Bekanntſchaft zu ma⸗ chen, wird es heute Ihr Stolz erlauben?“
Mit Evchen war ſeit vorgeſtern doch wohl noch eine andere Veränderung vorgegangen, als daß ſie da⸗
mals ſich ſchüchtern gezeigt hatte und jetzt ſicher an
dem Offizier vorübergehen konnte.
„Was wünſchen Sie von mir, mein Herr?“ fragte ſie.
„Eine Kleinigkeit, mein Schätzchen.“
Eychen ging ruhig weiter, ruhig und ſtolz, wie nur die Gräfin zu dem Wagen gegangen war.
„Werden Sie gehorchen?“ ſprang der Offizier ihr nach. „Ich befehle hier im Namen meines Königs!“
„Mein Herr“, ſagte Eochen Treue, „betragen Sie ſich, wie es einem Offizier Ihres Königs zukommt.“
Er wollte ſie anfaſſen.
„Wagen Sie es!“ rief das Mädchen, und ihr Ge⸗ ſicht glühte und ihre Augen flammten.
Sie ſchritt zu dem Wagen.
Der Offizier wagte nicht ſie aufzuhalten.
Die Gräfin Ferdinande hatte der alten würdigen Mutter in den Wagen geholfen. Sie war am Schlage ſtehen geblieben.
Sie umarmte Evchen.
„Kind, ſeien wir Freundinnen, Schweſtern!“
Und die ſtolze Gräfin hob die Schreiberstochter in


