Teil eines Werkes 
3. Band (1869)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

70

„Hier!“ ſagte er. In demſelben Augenblicke öffnete er leiſe die Thür.

Die Comteſſe Ferdinande bliete in ein kleines Zim⸗ mer, das durch eine Lampe hinter einem Lichtſchirme matt erleuchtet war.

In dem Scheine der Lampe ſah ſie ein Bett, vor dieſem ein Kinderbettchen; in einem Lehnſeſſel ſaß eine alte Frau; ſie ſchien zu ſchlummern. In dem Stübchen ging Eochen Treue umher, im Arme ein Kind ſchau⸗ kelnd, um es in Schlaf zu bringen.

Die Eomteſſe Ferdinande hatte ſich ſtolz aufgerichtet, als ihr Bruder die Thür öffnete. Ihre hohe Geſtalt war auf einmal kleiner geworden.

„Es iſt Annettens Schlafgemach“, ſagte ihr der Bruder. „Die alte Frau iſt ihre Wärterin. Ihren Knaben trägt Evchen.“ Sie traten in das Zimmer.

Die alte Wärterin in ihrem Halbſchlummer hatte ſie zuerſt gehört. Sie wollte aufſpringen. Der junge Graf drückte ſie in ihren Seſſel zurück.

„Alte, Du biſt müde!“

Da hatte Evchen ſie geſehen, auch die Comteſſe Ferdinande.

Sie verneigte das Haupt vor ihr mit einem Blick auf